Oppo Find X2 Neo Test
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Technik Test Hardware-Test

Das Oppo Find X2 Neo ist ein Handy, bei dem es fast nichts zu bemängeln gibt

Pascal Scherrer
Pascal Scherrer

Seit dem Herbst 2019 ist Oppo offiziell in der Schweiz und hat bereits zu Beginn mit tollen Handys überzeugt. Seit Mai ist der Hersteller nun auch mit seiner neuen Find-X2-Flaggschiffserie präsent. Vier Modelle habt ihr dabei zur Auswahl:

  • das Find X2 Pro
  • das Find X2
  • das Find X2 Neo
  • und das Find X2 Lite

Von diesen Vieren hat mir Oppo das Find X2 Neo für einen Test geschickt. Für mich war das äusserst interessant, denn eigentlich handelt es sich beim Find X2 Neo um das Reno 3 – das für Europa einfach umbenannt wurde. Einige von euch wissen vielleicht noch, dass ich anfangs Jahr das Reno 2 getestet hatte und sehr angetan war. Ob mich der “Nachfolger” ebenfalls begeistern konnte, lest ihr in meinem ausführlichen Test.

Hintergrund zu diesem Test

Ich schreibe diesen Test, nachdem ich das Oppo Find X2 Neo etwa vier Wochen als mein Hauptgerät genutzt habe. So konnte konnte ich das Handy sehr gut kennenlernen und habe einen umfassenden Eindruck erhalten.

Oppo Find X2 Neo: Pro/Contra

Das gefiel mir

  • Grossartige Makrolinse
  • Farben bei Fotos werden ohne HDR sehr authentisch wiedergegeben
  • Akku ist in etwas mehr als 40 Minuten komplett geladen

Das gefiel mir weniger

  • eher langweiliges Design
  • Oppo Assistant hat kaum nützliche Funktionen
  • Ultra Steady verspricht zu viel

Aussehen und Verarbeitung

Ich muss gestehen, ich war vom Design des Oppo Find X2 Neo etwas enttäuscht. Nein, das Gerät ist nicht hässlich, aber es sticht mit seinem Design auch nicht aus der Masse heraus, wie es beispielsweise das neue LG Velvet tut. Das ist wirklich schade, denn eine Generation zuvor hatte Oppo mit dem Reno 2 und dem Find X zwei optisch wirklich aussergewöhnliche Geräte abgeliefert. Man hatte experimentiert und hatte so zwei wirklich spannende Handys im Angebot.

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Nun hat es fast den Anschein, als hätten sich die Chinesen nicht mehr auf diese Experimente einlassen wollen. Auf seiner Website spricht Oppo dann auch von einem schlichten Design. So kann man es natürlich auch ausdrücken. Vielleicht ist das aber auch ein ungerechtfertigter Vorwurf, denn heutzutage sehen viele Smartphones sowieso sehr ähnlich aus. Dennoch: Dass man auch bei ähnlichen Designs spannende Akzente setzen kann, beweist Oppo gleich selbst: Mit dem Schwestermodell Oppo Find X2 Pro hat man auch die Möglichkeit einer Kunstlederrückseite. Ich hatte dieses Smartphone einmal kurz in der Hand gehabt und muss sagen: Das sieht wirklich sehr schick aus. Das ist ein Gerät, das man nur schon wegen seines Aussehens herumzeigen will – beim Find X2 Neo ist das eher nicht der Fall.

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Liegt leicht und gut in der Hand

Als ich das Oppo Find X2 Neo das erste Mal in die Hand genommen habe, ist mir vor allem eines sofort aufgefallen: Das Gerät wirkt viel kompakter und handlicher als es noch beim Reno 2 der Fall war. Oppo hat es geschafft, ein Handy zu bauen, das angenehm in der Hand liegt. Das kommt unter anderem daher, dass das Gerät für seine Grösse relativ schmal ist. Erreicht wird das typischerweise durch leicht abgerundete Kanten auf der Vorder- und Rückseite.

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Auch das Gewicht des Find X2 Neo hat mich positiv überrascht. Mit 171 Gramm gehört es eher zu den leichteren Geräten in der Grössenordnung von 6.5 Zoll. Das kann natürlich ein Anzeichen dafür sein, dass nicht sonderlich viel oder gute Hardware verbaut wurde. Beim Find X2 Neo muss man sich diesbezüglich aber keine Sorgen machen. Dazu aber weiter unten mehr.

Toll Verarbeitet, interessante Farbe

Bei der Verarbeitung des Gerätes gibt es rein gar nichts zu bemängeln. Alles wirkt hochwertig und nichts gibt einem das Gefühl, ein billiges Smartphone in der Hand zu halten. Einen gewissen Reiz hat auch die Rückseite der schwarzen Farbvariante. Als ich das Handy erhalten hatte, war ich erst etwas enttäuscht: Ja, in der Schweiz ist Schwarz äusserst beliebt, aber ich finde die Farbe mittlerweile einfach nur langweilig.

Schaut man aber genau hin, sieht man, dass das Find X2 Neo gar nicht richtig schwarz ist. Vielmehr wirkt es, als ob immer mal wieder ein bläulicher Schimmer über das Gehäuse huscht. Das hebt das Gerät definitiv von anderen schwarzen Handys ab. Oppo sagt dieser gelungenen Farbgebung Moonlight Black.

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Sinnvoller Kompromiss beim Display

Oppo hat dem Find X2 wirklich ein gutes Display spendiert. 6.5 Zoll, AMOLED – da kann man nicht klagen. Ein paar kleine Kompromisse muss man in dieser Preiskategorie aber natürlich trotzdem eingehen. So wirkt der Screen selbst bei der höchsten Helligkeitsstufe noch etwas dunkler als bei anderen Geräten. Das stört eigentlich kaum, höchstens bei starker Sonneneinstrahlung macht sich das mal bemerkbar. Für mich aber vollkommen okay. Auch beim Schutz muss man mit Gorilla Glass 5 einen kleinen Abstrich hinnehmen. Teurere Geräte sind hier schon mit der sechsten Generation ausgerüstet.

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Gefallen hat mir dafür, die Auflösung von FHD+, gepaart mit 90 Hertz. Für mich ein super Mittelweg: Man hat flüssige Animationen und eine gute Auflösung, die den Akku aber nicht zu sehr belasten. Klar, wenn du QHD+ und 120 Hertz willst, bist du beim Find X2 Neo falsch. Aber solche extremen Werte saugen euren Akku auch ruckzuck leer. Zumindest habe ich diese Erfahrung beim Galaxy S20 Ultra gemacht. Wollt ihr dennoch nicht darauf verzichten, müsst ihr zum teureren Find X2 oder Find X2 Pro greifen.

Genug Hardware-Power für den anspruchsvollen Handy-Alltag

Geht es um die Leistung, gibt es für mich nichts zu meckern. Ja, das Find X2 Neo hat “nur” einen Snapdragon 765 verbaut. Aber jetzt mal ehrlich: Ihr werdet im Alltag kaum einen Unterschied zum aktuellen Top-Chip Snapdragon 865 merken. Schon gar nicht, wenn eure täglichen Routinen vor allem aus WhatsApp, Spotify, Netflix, Surfen und Fotografieren besteht. Damit bringt ihr den Chip nicht ansatzweise an seine Leistungsgrenze.

Dafür ist das Oppo Find X2 Neo dank dem Snapdragon 765 für 5G gerüstet. Vermutlich nützt dir das jetzt noch nicht so viel, weil du noch kein teures 5G-Abo hast, aber es kann ja nicht schaden, für die Zukunft gerüstet zu sein.

Der Fingerabdruck-Scanner ist im Display integriert, schnell und zuverlässig. Ganz zur Geschwindigkeitsspitze gehört der Scanner aber nicht. Am besten schaut ihr euch selbst an, wie lange das Entsperren dauert:

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Die wichtigsten Spezifikationen

Display:6.5 Zoll AMOLED (90 Hertz)
Auflösung:2400 x 1080 Pixel (402 ppi)
Prozessor:Snapdragon 765G
Arbeitsspeicher:12 GB RAM
Interner Speicher:256 GB
Externer Speicher:nicht erweiterbar
Akkukapazität:4025 mAh
Kamera Rückseite:Vierfachkamera:
48 MP Hauptkamera (f/1.7)
13 MP Tele (f/2.4)
8 MP Ultraweitwinkel (f/2.2)
2 MP B/W (f/2.4)
Selfie-Kamera:Einzelkamera mit 32 MP (f/2.4)
Video:4k@30fps, 1080@30/60fps
Konnektivität:5G/4G/HSPA/GSM
Wlan
Bluetooth 5.1
NFC
OTG
SIM-Karten-Typ:Nano (Single)
Entsperren:Face Unlock, Fingerabdruck im Display
Kopfhöreranschluss:nein
IP-Zertifizierung:nein
Masse:Länge: 159.4 Millimeter
Breite: 72.4 Millimeter
Tiefe: 7.7 Millimeter
Gewicht: 171 Gramm
Preis:699 Franken (UVP)

Datenquelle: Oppo.com

Software mit netten Details, aber nichts für News-Fans

Ausgeliefert wird das Oppo Find X2 Neo mit Android 10. Damit ist das Gerät auf dem aktuellsten Stand, wie das in dieser Preisklasse auch sein soll. Auch bei den monatlichen Sicherheits-Patches war Oppo während meines Testzeitraums aktuell.

Als Benutzeroberfläche verwendet Oppo das hauseigene Color OS in der Version 7. Dieses gefällt mir grundsätzlich gut, auch wenn es nicht zu meinen Favoriten gehört. Zum einen liegt das an dem einen oder anderen Symbol, bei dem ich nicht nachvollziehen kann, weshalb man da nicht ein einfacher verständliches gewählt hat.

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Zum anderen liegt das vor allem am Smart Assistant. Ich gehöre nicht unbedingt zu den Fans solcher schlauen Zentralen. Das kann man Oppo aber natürlich nicht negativ auslegen. Was ich aber nicht mag, ist, wenn mir der Smart Assistant News-mässig nichts bringt. Das ist beim Oppo Find X2 Neo leider der Fall. Swipe ich nach rechts empfängt mich ein fast leerer Feed, der hauptsächlich aus einem Schrittzähler, dem Wetter und meinen Lieblingskontakten besteht.

Wechselt man in die Einstellungen des Smart Assistenten, merkt man schnell, dass es da nicht viel mehr gibt. Zwar gibt es noch sowas wie Favoriten, die man anpinnen kann (Schnellfunktionen), aber die sind nicht unbedingt so nützlich, wie man denken mag. Immerhin kann ich darüber auf Google Discovery zugreifen. Aber ganz ehrlich? Ich hätte es lieber, wenn ich statt des Smart Assistenten mit einem Rechtswisch direkt auf Google Discovery käme. Für News-Fans ist der Smart Assistant also definitiv mehr Ärgernis als nützlich. Und auch für Leute, die gerne organisiert sind, ist der Smart Assistant jetzt keine Offenbarung.

Oppo Find X2 Neo Test
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Gefallen haben mir dafür einige Details in der Benutzeroberfläche. Beispielsweise, wenn man eine App deinstalliert: In diesem Fall zerfällt sie zu virtuellem Staub und wird “davongeweht”, ganz, als hätte Thanos aus Avengers: Infinity War mit seinem Finger geschnippt. Ebenfalls sehr schön finde ich, dass man die App-Icons recht umfassend verändern kann. Während andere Hersteller einem einfach Icon-Kits zur Verfügung stellen, kann man diese beim Find X2 Neo relativ gezielt seinem Geschmack anpassen. Schöne Sache!

Bei der Kamera ist Meckern auf hohem Niveau angesagt

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Bereits beim Test des Oppo Reno 2 war ich mir sicher, dass Oppo im Kamerabereich bald zur Spitze gehören wird. Mit dem diesjährigen Topmodell Find X2 Pro hat Oppo meine Vermutung inzwischen bestätigt: Beim Test von DxOMark liegt das Gerät nur vier Punkte hinter Huaweis neuem Flaggschiff P40 Pro. Das ist nichts. Hier wird sich in den nächsten Jahren wohl ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Huawei und Oppo anbahnen.

Oppo Find X2 Neo Test
Bild: Screenshot DXoMark.com

Wer jetzt aber denkt, dass man mit dem Find X2 Neo eine schlechtere Kamera erhält, kann ich beruhigen: Zwar hatte ich bisher noch keine Vergleichsmöglichkeit mit dem Find X2 Pro, aber die Kamera des Neo ist wirklich Klasse.

Gute Farbwiedergabe bei den Fotos

Das fängt bereits bei der Farbwiedergabe an. Standardmässig ist hier der HDR-Modus auf Automatik eingestellt; die Software entscheidet also selbst, wann HDR angebracht ist. Das klappt ganz gut. In meinen Tests hatte ich zumindest nicht den Eindruck, dass die AI es mit HDR übertreibt. Dennoch sind Bilder, die mit HDR aufgenommen wurden, eben doch Geschmacksache. Ich mag es lieber ohne HDR, denn wenn da zu viel an der Sättigung geschraubt wird, sieht das oft nicht mehr so schön aus.

Glücklicherweise ist die Farbwiedergabe bei den Fotos des Find X2 Neo ohne HDR sehr akkurat. Die Bilder sehen weder übersättig noch ausgebleicht aus. Das macht das Find X2 Neo für mich vor allem für die Landschaftsfotografie sehr interessant. Nichts ist ärgerlicher, als wenn Farben von Pflanzen verfälscht werden.

Zum Vergleich: Ein Foto mit HDR …

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Bild: vybe

… und eines ohne.

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Grossartiger Makromodus mit einem winzigen Makel

Oppo Find X2 Neo Test
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Wie bei Oppo schon fast Tradition, kommt der Ultraweitwinkelmodus mit einer integrierten Makrolinse daher. Beim Reno 2 hatte ich noch bemängelt, dass die Fotos dabei manchmal leicht unscharf werden. Diesen Makel hat Oppo inzwischen behoben. Die Fotos werden immer schön scharf, wodurch man sich ganz auf das Motiv konzentrieren kann.

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Bild: vybe
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Einzig, wenn man etwas zu wenig Licht hat, also in der Dämmerung oder im Schatten, werden die Fotos manchmal im Automatikmodus etwas dunkler als nötig. Hier hat man aber noch immer die Möglichkeit den Lichtwert (exposure value) zu verändern, um das Foto etwas aufzuhellen.

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Etwas schade ist, dass die AI anscheinend noch nicht fähig ist, automatisch vom normalen Fotomodus in den Makromodus zu schalten. Zumindest hat das bei mir nicht geklappt. Ging ich im normalen Fotomodus näher an ein Objekt heran, hat die Software zwar relativ schnell den Schriftzug “Makroobjektiv” angezeigt – allerdings blieb das Motiv dann unscharf. Erst, als ich manuell auf die Ultraweitwinkel- und Makrolinse gewechselt habe, wurde das Motiv scharf gestellt. Das ist ein Detail, aber hoffentlich dennoch in Zukunft behoben wird.

Hier seht ihr, was ich meine: Ich bin in der Hauptkamera. Die AI erkennt, dass ich eine Makroaufnahme machen will, wechselt aber nicht auf die Makrolinse. Daher bleibt das Bild verschwommen:

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Bild: vybe

Erst, wenn ich selber auf den Makro/Ultraweitwinkelmodus tippe, wird das Bild scharfgestellt (während die AI noch immer schön anzeigt, dass das Makroobjektiv eingesetzt wird):

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Umfassende Kamerafunktionen, aber zwei Kleinigkeiten fehlen

Ansonsten überzeugt das Oppo Find X2 Neo fast durchgehend bei der Kamera. Der Sucher fokussiert blitzschnell, die Bilder sind scharf. Was allerdings auffällt, ist, dass sich die Farben bei Fotos im Ultraweitwinkel und der Hauptkamera etwas unterscheiden können. Das passiert, wenn HDR auf automatisch eingestellt ist. In diesem Fall entscheidet sich die AI bei der Hauptlinse eher für den HDR-Modus, während sie ihn im Ultraweitwinkel ausschaltet. Das sieht dann so aus:

Ultraweitwinkel:

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Hauptkamera:

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Beim Zoom ist das Find X2 Neo solid. Eine zweifach optische Vergrösserung als Basis reicht für qualitativ gute Fotos bis zum fünffachen Hybridzoom. Danach nimmt die Qualität mit dem Digitalzoom merklich ab. Spätestens bei der maximalen Vergrösserung (20-fach) merkt dann auch ein Laie, dass es mit der Bildqualität nicht mehr weit her ist. Aber immerhin erkennt man noch deutlich genug, was auf dem Foto zu sehen sein soll.

Zweifacher Zoom (optisch):

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Bild: vybe

Fünffacher Zoom (Hybrid):

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Zwanzigfacher Zoom (digital):

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Nebst einem Porträtmodus mit verstellbarem Bokeh-Effekt, gibt es auch noch den obligatorischen Nachmodus. Dieser ist okay, hat aber, sobald es etwas weniger Umgebungslicht hat, etwas Mühe. Zwar wird das Foto auch dann noch erstaunlich hell, allerdings nicht immer ganz scharf. Hier hat das Find X2 Neo also manchmal etwas Mühe, im Dunkeln scharfzustellen.

Etwas mühsam empfand ich auch, dass bei der Langzeitbelichtung, die ein solches Nachtfoto nun einmal braucht, kein Countdown angezeigt wird. Zwar zeigt mir eine Kreisanimation an, dass die Kamera noch aufnimmt, allerdings weiss ich so nicht, wie lange es noch dauert.

Ein Foto auf meinem Balkon bei Nacht mit der Hauptkamera lässt nicht viel erkennen:

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Im Nachtmodus werden aus den dunklen Umrissen plötzlich eine Schar von Pflanzen in ihren Töpfen:

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Hier ein Beispielfoto, bei dem der Fokus etwas Mühe beim Scharfstellen hatte. Fokussiert hatte ich dabei auf den mittleren Topf:

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Zwei Dinge gäbe es da dann allerdings doch noch, die Oppo bei der Kamerasoftware besser machen könnte:

  1. Bei der Zeitlupe habe ich im Live-Preview nicht die Möglichkeit, verschiedene Geschwindigkeiten auszuwählen. Das ist etwas, was ich mir heutzutage schon wünsche.
  2. Leider ist es nicht möglich, die Reihenfolge der verschiedenen Kameramodi nach Präferenzen zu ordnen. Etwas, dass ich beispielsweise bei LG-Smartphones sehr schätze.

Klar, diese zwei Kritikpunkt sind Motzen auf hohem Niveau. Vermutlich wird sich auch kaum jemand daran stören. Wer solche Funktionen aber schätzt, wird diese im Falle des Find X2 Neo vermissen.

So sieht die Benutzeroberfläche der Kamera-App aus:

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Videostabilisierung ist eher ein Gimmick

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Ein Merkmal des Find X2 Neo, das Oppo gerne herausstreicht, ist die Videostabilisierung. Heissen tut diese Funktion Ultra Steady, was auch schön prominent auf dem rückseitigen Kameramodul angeschrieben ist. Auf der Website von Oppo sieht das ganz schön beeindruckend aus:

GIF: Oppo

Dank Ultra Steady sollen Videoaufnahmen, die beispielsweise während dem Rennen aufgenommen wurden, plötzlich fast verwackelungsfrei sein. Klingt zu schön, um wahr zu sein – und es ist es mehrheitlich auch. In meinen Tests, bei denen ich jeweils mit aktiviertem und deaktivertem Ultra-Steady-Modus filmend herumgerannt bin, konnte ich nur einen kleinen Unterschied feststellen. Ja, das Video wirkt mit Ultra Steady etwas stabiler, allerdings muss man teilweise doch sehr genau hinschauen. So einen krassen Unterschied wie im Werbeclip von Oppo konnte ich jedenfalls nicht feststellen.

Aber schau am besten selbst:

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Fairerweise muss man hier aber auch sagen, dass meine Tests nicht ganz unter optimalen Bedingungen stattgefunden haben. Eigentlich hätte ich zwei Find X2 Neos gebraucht, die nebeneinander auf einem Stativ montiert sind und gleichzeitig filmen – einmal mit und einmal ohne Ultra-Steady-Modus. Nur so könnte man wirklich akkurat sagen, ob es einen Unterschied gibt und wie gross dieser ist.

Dennoch: Das Videobeispiel von Oppo verspricht viel, daher hätte ich mir da auch bei meinem “unfairen” Test mehr erhofft. Es hätte mich ehrlich gesagt aber verwundert, wenn der Test anders ausgefallen wäre. Wirkliche Videostabilisierung via Hardware braucht noch immer Platz – das sieht man anhand des Osmo Mobile. Und möchte man ein Video via Software stabilisieren, braucht das richtig Rechenpower – ansonsten würde mein Laptop, der ziemlich gut ausgestattet ist, nicht jedes Mal ins Schnaufen geraten, wenn ich ein Video in Adobe Premiere Pro stabilisiere. Das ein Handy da in Echtzeit nur schon gleich gute Resultate liefert, schien mir von Anfang an unwahrscheinlich.

Der Akku ist so schnell geladen, man glaubt es kaum

Ging es um die Ladegeschwindigkeit des Akkus konnte in meinen Augen bisher niemand Huawei schlagen. Oppo hat das nun definitiv geschafft – und wie! Als das Find X2 Neo noch 6 Prozent Akku hatte und drohte, seinen Dienst einstellte, dauerte es gerade einmal 40 Minuten, bis der Akku wieder voll war. 40 Minuten! Das ist ziemlich beeindruckend. Damit ist das Find X2 Neo also, wenn der Akku ganz leer ist, in etwas mehr als 40 Minuten geladen.

Der Adapter des Find X2 Neo lädt dabei mit 30 Watt. Das ist gleich viel wie der Adapter meines Huawei P30 Pro, das aber nicht ganz so schnell geladen ist (dafür ist der Akku um 175 mAh grösser). Wie Oppo es genau hinkriegt, sein Handy so schnell zu laden, obwohl der Adapter “nur” 30 Watt leistet – ich weiss es nicht. Allerdings braucht die Technologie ordentlich Platz. Das seht ihr am Grössenvergleich der 30-Watt-Adapter von Oppo (oben) und Huawei (unten):

Oppo Find X2 Neo Test
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Natürlich nützt ein schnelle Ladezeit aber nichts, wenn der Akku nicht lange durchhält. Hier gehört Oppo nicht zur absoluten Spitze. Dennoch ist die Akkulaufzeit durchaus überdurchschnittlich. In meinem Alltagstest hielt das Find X2 Neo ohne Probleme einen ganzen Tag durch. Geschont habe ich es dabei keinesfalls. Ich habe mehrere Stunden Musik gestreamt, bin mit Chrome herumgesurft und habe diverse andere Apps rege genutzt. Als das Gerät noch 20 Prozent Strom hatte, konnte ich sogar noch locker zwei 45-minütige Folgen einer Serie gucken – ohne, dass der Akku danach ganz leer war. Allerdings wechselte das Handy bei 20 Prozent automatisch in den Stromsparmodus, was natürlich die Leistung beeinflusst – wenn auch nicht merklich.

Wer sein Gerät nicht so häufig nutzt dürfte mit dem Find X2 Neo also locker mehr als einen Tag über die Runden kommen. In Kombination mit dem schnellen Laden ergibt sich für mich ein sorgenfreies Energie-Management. Die schnelle Ladezeit geht aber auf Kosten des kabellosen Ladens. Dies unterstützt das Find X2 Neo nicht. Für mich war das nicht relevant, da ich sowieso nie kabellos lade – wem das aber wichtig ist, muss sich anderweitig umschauen.

Mein Testfazit zum Oppo Find X2 Neo

Das Oppo Find X2 Neo ist ein richtig tolles Gesamtpaket, bei dem man eigentlich schon ziemlich ins Detail gehen muss, um etwas Negatives zu finden. Ja, das Design dürfte aufregender sein und bei der Kamerasoftware hat noch ganz wenig Luft nach oben. Vor allem beim Thema Ultra-Steady verspricht Oppo mehr als es halten kann. Nichtsdestotrotz ist das Find X2 Neo ein tolles Kamera-Smartphone, bei dem mich vor allem der Makromodus begeistert hat.

Ebenfalls hervorheben muss man einfach die unglaublich kurze Ladezeit. In etwas mehr als 40 Minuten ist der Akku wieder voll, womit sich Oppo auf die Spitze der am schnellsten geladenen Smartphones setzt.

Enttäuscht hat mich dafür der Smart Assistant. Dieser bringt nur einige (langweilige) Basisfunktionen wie Wetter, Schrittzähler und Lieblingskontakte mit sich. Hier muss Oppo noch gewaltig aufholen. Wem Assistenten aber sowieso egal sind, wird sich daran nicht stören.

Dann solltest du das Oppo Find X2 Neo kaufen:

Du willst ein modernes, technisch topaktuelles Handy. Herausstechendes Design ist dir nicht so wichtig, dafür eine gute Kamera und ein Akku, der sehr schnell geladen ist.

Dann solltest du das Oppo Find X2 Neo nicht kaufen:

Wenn du das allerbeste Display möchtest, weil du gerne Games spielst und dabei keine Kompromisse eingehen möchtest.

Diese Alternativen hast du:

Das Huawei P30 Pro erschien zwar bereits 2019, ist aber als ehemaliges Highend-Gerät noch immer aktuell und vor allem im Kamerabereich noch einen Tick besser als das Oppo X Find 2 Neo. Dafür gibt’s aber kein 5G. Wenn es ein etwas spannenderes Design sein soll, könnte dir das LG Velvet gefallen.