Das Game Ad Infinitum im Test.

Horror-Game im 1. Weltkrieg: «Ad Infinitum» zeigt die Schrecken des Krieges

Ein junger deutscher Soldat schleicht durch einen verlassenen Schützengraben. In der Ferne sind Explosionen zu hören, Menschen schreien, der Tod ist allgegenwärtig. Schrecken und Verderben umhüllen uns und wir spüren, dass da noch mehr im Dunkeln lauert. Doch bevor wir tiefer auf dem Schlachtfeld vordringen, wachen wir plötzlich in einem heimischen Bett auf. Wir keuchen, der Puls rast und wir sind fast sicher, es war alles nur ein Traum, eine Erinnerung an die Vergangenheit. Oder etwa doch nicht?

Das Game Ad Infinitum im Test.
Bild: Hekate GmbH

Survival-Horror wie er im Buche steht

Die nächsten Schritte in diesem düsteren Videospiel machen wir in einem grossen, prachtvollen Herrenhaus, das uns mit seiner Architektur sofort an die «Resident Evil»-Reihe erinnert. Antike Inneneinrichtungen, grosse Ölgemälde und Kunstgegenstände sind im verwinkelten Gebäude mit jeder Menge verschlossener Türen an der Tagesordnung.

Wir wachen in unserem Zimmer auf und beginnen vorerst mal mit der Lektüre von Briefen und Karten, die uns unterwegs in die Haupthalle mit auf den Weg gegeben werden. Schliesslich tun wir, was das Genre Survival-Horror von uns verlangt: Wir sammeln Gegenstände ein, sinnieren vor verschlossenen Türen und Schränken, wie wir sie öffnen können und kombinieren geistreich, um das Rätsel zu lösen, damit das nächste auf uns wartet und das Spiel weiter voranschreitet.

Das Game Ad Infinitum im Test.
Bild: Hekate GmbH

Eine Karte zur Orientierung finden wir zu Beginn unserer Reise leider nicht, aber wir bekommen immer wieder brav Hinweise serviert, was unser nächstes Ziel ist, sprich, was wir im menschenleeren Gebäude machen müssen. Behutsam nimmt uns das Spiel an der Hand, streut immer wieder ein paar leichte Gänsehautmomente ein und schiebt uns immer mehr in Richtung Horror.

Zwischen den Welten

Unser junger Soldat, den wir via Egoansicht steuern, wird auf dem Weg durchs Gemäuer immer wieder an die Front im Nordosten Frankreichs transportiert, wo er sich bizarren Kreaturen auf und neben dem Schlachtfeld stellen muss. Sind dies alles nur Illusionen, Tagträume oder Albträume, unter denen der junge Mann nach dem Krieg leidet? Oder haben wir es hier mit Paralleldimensionen zu tun, die uns Höllenkreaturen rüberschickt, um dafür zu sorgen, dass wir Busse tun? Wie auch immer, der Interpretationsraum von «Ad Infinitum» ist gross.

Das Game Ad Infinitum im Test.
Bild: Hekate GmbH

Auch wenn die Geschichte in eine bestimmte Richtung geht und eine Art von Auflösung gen Schluss präsentieren wird, bleiben viele Fragen zurück. Wir wissen nur, dass wir nicht nur mit den Schrecken des Krieges konfrontiert werden, sondern auch mit einer Familie, die moralisch zerrissen ist und ihre Mitglieder durch Irrungen und Wirrungen ebenso wie unser Protagonist durch die persönliche Hölle gehen.

Das Game Ad Infinitum im Test.
Bild: Hekate GmbH

Auch wenn wir in diesem Videospiel immer wieder durch physische Monster durch die Levels gejagt werden, entfaltet sich der Horror vielmehr im Kopf. Die Areale sind oft verlassen, der Nebel oder die Orientierungslosigkeit dominieren und die Angst in die Arme eines Ungetüms zu laufen, das hinter der nächsten Ecke auf uns wartet, ist gross. Denn aktiv wehren kann man sich nicht wirklich gegen diese Biester. Schleichen, innehalten und ruhig bleiben sind die Waffen, die wir benötigen, um aus den Höllenszenarien zu entkommen. Verrückt: Chaos, Hunger, Wut und Schrecken sind Begleiter des Krieges, die sich in widerliche Kreaturen manifestiert haben, Jagd auf uns machen und uns ohne Kompromisse terrorisieren. 

Horror zwischen den Zeilen

Die Atmosphäre in «Ad Infinitum» ist beklemmend. Plakativer Horror paart sich mit Nervenkitzel und zieht uns immer tiefer hinein in die Schrecken des Krieges und in das Drama einer Familie, die aus unterschiedlichen Gründen zerbrach und unterging.

Das Game Ad Infinitum im Test.
Bild: Hekate GmbH

So sehr wir vom Spiel an die Hand genommen werden, so sehr werden wir storytechnisch auch oft alleine im Wald stehen gelassen. Wir können zwar immer wieder feststellen, wo wir uns innerhalb des Spiels befinden und was wir machen müssen, um voranzukommen, doch die richtige Interpretation, der wahre Ansatz, um alles zu verstehen, wird uns nicht wirklich gegeben. 

Auch wenn wir gegen Ende mehr Erkenntnisse bekommen, bleibt doch vieles im Dunkeln deponiert und muss von uns selbstständig erörtert werden. Das ist die ganz grosse Stärke von «Ad Infinitum» sofern man diese Art von Storytelling befürwortet. 

Düster und scheusslich

Audiovisuell darf sich das Horror-Game sehen, sprich hören lassen. Die Abschnitte im Herrenhaus haben eine dichte Atmosphäre und überzeugen mit einer gekonnten Mischung aus Heimweh und Schaurigkeit, die uns anzieht, aber auch gleichzeitig abschreckt. Die Aussenareale sind düster, farblos, ja gar optisch langweilig, aber nicht minder grossartig beklemmend.

Das Game Ad Infinitum im Test.
Bild: Hekate GmbH

Der Sound dringt spartanisch an unsere Ohren. Leise vor sich hin brodelnde Effekte kitzeln unsere Nerven und erwischen uns immer wieder dann, wenn wir nicht damit rechnen. Flüsternde Stimmen, die immer näher kommen, treiben uns in den Wahnsinn und wenn in der Ferne die scheusslichen Schreckgestalten ihre schaurigen Töne von sich geben, möchte man die Spielfigur gar nicht mehr bewegen.

Ein unvergesslicher Trip

Fazit: «Ad Infinitum» ist ein Horror-Game, das ihr an einem Wochenende durchspielen könnt. Der Umfang hält sich in Grenzen, schenkt euch dafür aber ganz viel Atmosphäre, Tiefe und Begebenheiten zum Nachdenken. Das Spiel hallt nach und zeigt eindrücklich nicht nur die Folgen eines schrecklichen Krieges, sondern auch die Zerwürfnisse einer ganzen Familie, die ebenso leidet wie der Protagonist. Dieses Spiel ist definitiv nichts für Zartbesaitete. Doch wer sich dem Trip stellt, bekommt eine interaktive Erfahrung geschenkt, die so schnell nicht wieder vergessen wird.

«Ad Infinitum» ist erhältlich für Playstation 5, Xbox Series X/S und PC. Freigegeben ab 18 Jahren.

Simon Dick

Populärkultur und Unterhaltungsmedien begleiten mich schon seit Jahrzehnten. Als freischaffender Game- und Filmkritiker darf ich hier meine subjektiven Zeilen hinterlassen und leidenschaftlich «rumvyben».

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