Huawei MateView im Test: Eine stylisher Einstand, der vieles richtig macht

Huawei stösst in den Markt für Monitore vor. Im Mai hat das chinesische Unternehmen gleich zwei neue Monitore vorgestellt. Während der MateView GT das Gamer*innen-Herz höher schlagen lassen soll, ist der MateView für kreative Personen und Office-Arbeiten gedacht. Ich konnte den MateView nun für beinahe zwei Monate testen und habe einen guten Eindruck darüber bekommen, ob sich ein Kauf für dich lohnt.

Aussehen und Verarbeitung

Obwohl Huawei noch nicht viel Erfahrung im Monitorbereich hat, gibt sich der chinesische Hersteller bei der Verarbeitungsqualität keine Blösse. Der MateViews sieht nicht nur auf den Werbebildern top aus, sondern auch in der Realität. Das schlanke Gehäuse ist aus Aluminium und überzeugt mit seinem schlichten, aber eleganten Design. Das eigentliche Display wird von einem sehr schmalen Rahmen eingefasst, etwas, mit dem Huawei bereits mit seinen Laptops hervorgestochen hat. Auf dem Datenblatt hat der MateView ein Screen-to-Body-Verhältnis von 94 Prozent.

Huawei MateView im Test: Aussehen und Design.
Bild: vybe

Bei der Ergonomie kann man den Monitor in der Höhe (110 Millimeter) und der Neigung (-5° – 18°) verstellen. Das klappt schön geschmeidig und ohne grossen Kraftaufwand. Wer eine Pivotfunktion schätzt, geht leider leer aus und möchte man den Monitor drehen, muss sich der Standfuss mitbewegen. In diesem sind wiederum der Lautsprecher und alle Anschlüsse schön dezent untergebracht. Ebenfalls findet man dort einen NFC-Chip, mit dem sich der MateView unter anderem kabellos mit einem Laptop oder einem kompatiblen Huawei-Smartphone koppeln lässt (was dann über Bluetooth und Wifi geregelt wird).

Seitenverhältnis in 3:2 für kreative Arbeiten

Huawei setzt im Gegensatz zu vielen Konkurrenten nicht auf die gängigen Seitenverhältnisse von 16:9 oder 16:10. Das mag im ersten Moment etwas irritieren, aber wer den Monitor für grafische Arbeiten oder den Büroalltag verwendet, wir den höheren Bildschirm mögen. Vor allem bei Arbeiten in Photoshop habe ich das 3:2-Verhältnis geschätzt. Beim Videoschnitt kann man natürlich anmerken, dass ein breiterer Bildschirm besser ist, wegen der Timeline. Andererseits hat man so aber auch mehr Platz für das Preview-Fenster, was mir gefallen hat. Ebenfalls ein Vorteil ist, dass man mehr Videospuren im Blick hat, wo man sonst immer scrollen muss.

Gutes Bild, aber Huawei kann sein Werbeversprechen nicht ganz einlösen

Das IPS-Display hat eine Diagonale von 28,2 Zoll und löst mit 4k (3840 x 2560 Pixel) auf. Damit ergibt sich eine Pixeldichte von 165 ppi, was für knackige Bilder sorgt. Die Helligkeit beträgt bis zu 500 Nits (standardmässig liegt es bei etwa 190), ein Wert bei dem man nicht meckern kann. Auch HDR400 unterstützt der MateView und beim DCI-P3-Wert brüstet sich Huawei in der Werbung mit einem sehr hohen Wert von 98 Prozent, während sRGB bei 100 Prozent liegt. Wenn du den Bildschirm nur für alltägliche Büroaufgaben nutzt, wird dich dieser Wert nicht interessieren. Wen du allerdings im grafischen/videografischen Bereich unterwegs ist, natürlich schon. Und leider muss ich euch hier sagen: Der Bildschirm erreicht die von Huawei versprochenen 98 Prozent nicht ganz. Wie ausführliche Analysen von unter anderem Trusted Reviews und Android Authority ergeben haben, scheint das Display des HuaweiMate die Werte in der Realität nicht ganz einhalten zu können. Android Authority schreibt dazu:

«Während unser Gerät immer noch eine akzeptable Farbgenauigkeit bot und tatsächlich einen breiten DCI-P3-Farbraum darstellt, erreichte unser Modell nicht den in der Huawei-Literatur angegebenen Farbabstand von unter 2 Delta E. Die Grüntöne des Panels sind nicht ganz so akkurat wie die Blau- und Rottöne und der Weisspunkt ist ein wenig zu warm.

Der sRGB-Farbraum wird etwas genauer wiedergegeben. Allerdings konnten wir die von Huawei angepriesene Farbgenauigkeit nicht erreichen, da der Weisspunkt des Displays ein wenig zu warm ist. Allerdings verbessert sich der Weissabgleich bei höheren Helligkeitsstufen leicht.»

Trusted Review kommt zu folgendem Schluss:

«Der MateView zeigte 92,1 Prozent der DCI-P3-Farbskala mit einem Farbvolumen von 94,8 Prozent an, was hoch genug ist, um kräftige, lebendige Farben zu liefern – auch wenn es etwas unter dem von Huawei behaupteten Abdeckungsgrad von 98 Prozent liegt.»

Anschlüsse: Alles, was es für den durchschnittlichen Büroalltag braucht

Für den normalen Büroalltag kommt der MateView mit ausreichend Anschlüssen daher. Huawei hatte dabei wohl vor allem die Notebook-User im Blick, denn mit dem USB-C-Anschluss kann man dank 65 Watt sogar den Laptop laden als auch Daten übertragen. Allerdings sollte man beachten, dass vor allem leistungshungrige Notebooks mit 65 Watt nicht immer aufgeladen werden können. Ein MacBook Pro im oberen Leistungssegment, mit dem man Videos schneidet, lässt sich damit während der Arbeit kaum laden, allerdings verhindern die 65 Watt zumindest, dass sich der Akkustand sinkt.

Huawei MateView im Test: Anschlüsse.
Bild: vybe

Insgesamt gibt es sieben Anschlüsse, die hinten und seitlich im Sockel untergebracht sind. Einen normalen DisplayPort gibt es nicht, wer so einen benötigt, muss das über einen Adapter via Mini DisplayPort lösen.

Die Anschlüsse des Huawei MateView in der Übersicht

Seitliche Anschlüsse (rechts):

  • 2 x USB-A (3.0)
  • USB-C (unterstützt Display, Datenübertragung und 65 Watt laden)
  • 3,5 Millimeter Audioanschluss (Kopfhörer- und Mikrofonbuchse kombiniert)

Anschlüsse auf der Rückseite:

  • USB-C-Stromanschluss
  • Mini DisplayPort (DP 1.2)
  • HDMI 2.0

Kabellose Verbindung mit Windows und Huawei-Smartphone

Richtig gut gefallen hat mir das Feature, den MateView ohne Kabel mit dem Laptop als auch dem Smartphone zu verbinden. Das alles klappt gleich beim ersten Versuch einwandfrei, allerdings kann es bei Windows sein, dass man erst die drahtlose Bildschirmverbindung aktivieren muss. Anmerken muss ich hier auch noch, dass der Monitor bei drahtloser Verbindung maximal 1080p unterstützt. Für Präsentationen oder Arbeiten an Texten reicht das aber vollkommen aus.

Huawei MateView im Test: Touchsteuerung.
Eingänge als auch Einstellungen können über eine berührungsempfindliche Schiene auf der Unterseite des Gehäuses gesteuert werden. | Bild: vybe

Spannend wird es, wenn man sein Smartphone mit dem Huawei MateView verbindet. In der Theorie muss man dazu nur NFC und Wlan beim Handy einschalten und dieses dann an der markierten Stelle beim Standfuss hinhalten. In der Praxis hat das gleich beim ersten Versuch ohne Probleme funktioniert. Allerdings: Die Kompatibilität beschränkt sich leider nur auf Huawei-Smartphones mit EMUI 10 oder höher. In meinem Test habe ich es mit dem Huawei P30 Pro versucht und dem P40 Pro (ohne Google Apps) und mit beiden hat es einwandfrei funktioniert. Nach der Verbindung kann man wählen, ob man einfach das Handy-Display spiegeln oder den Desktopmodus verwenden möchte.

Huawei MateView im Test: Desktopmodus mit dem Huawei P40 Pro.
Bild: vybe
Huawei MateView im Test: Desktopmodus mit dem Huawei P40 Pro.
Bild: vybe
Huawei MateView im Test: Desktopmodus Spiegelung.
Bild: vybe

Solider Desktopmodus für das Nötigste

Der Desktopmodus funktioniert dabei erstaunlich gut und taugt sogar bis zu einem gewissen Grad als Laptopersatz. Allerdings muss man sich auch bewusst sein, dass viele Apps im Desktopmodus nicht zu gebrauchen sind, da sie nicht für grosse Displays ausgelegt sind. Wenig überraschend hat Huawei seine eigenen Anwendungen angepasst, sodass man problemlos auf dem grossen Bildschirm surfen, Notizen verfassen oder auch das Album durchforsten kann. Auch die Google-Apps funktionieren auf dem grossen Bildschirm mehr oder weniger ohne Darstellungsprobleme. So passt sich beispielsweise Maps problemlos an die 28,8 Zoll des MateView an.

Huawei MateView im Test
Im Desktopmodus kann das Smartphone als Trackpad benutzt werden. Alternativ kann man via Bluetooth Maus und Tastatur direkt mit dem MateView verbindien. | Bild: vybe

Was beim Desktopmodus auffällt, ist, dass es zwischendurch immer mal wieder kleine Glitches gibt. So verpixelte die untere Hälfte des Bildschirms gelegentlich für ein paar Sekunden. Grundsätzlich stört das nicht gross, aber es bleibt schon zu hoffen, dass ein Update dies noch behebt. Wer den Desktopmodus wirklich regelmässig bracht, wird damit einfache Tasks wie Texte schreiben oder surfen problemlos bewältigen können. Als wirkliche Alternative zu Windows sollte man das aber nicht sehen.

Mit dem Lautsprecher kann der MateView nicht angeben

Huawei MateView im Test: Lautsprecher im Sockel.
Bild: vybe

Hört man Musik, beschallen einen zwei 5-Watt-Lautsprecher, die im Sockel untergebracht sind. Diese sind ganz ordentlich, wenn man einfach ein wenig nebenbei Musik hören möchte. Allerdings waren mir die Lautsprecher etwas zu leise. Möchte man bei einem guten Song mal richtig aufdrehen, schaut man in die Röhre. Auch ansonsten ist der Sound solide, mehr aber auch nicht. Klar, im Büroalltag reicht das vollkommen aus, wer allerdings auf akkurate Audiowiedergabe Wert legt, sollte unbedingt auf externe Lautsprecher oder gute Kopfhörer setzen.

Testfazit zum Huawei MateView

Huawei MateView im ausführlichen Test.
Bild: vybe

Mit dem MateView ist Huawei ein guter, wenn auch nicht perfekter Bildschirm gelungen. Das Seitenverhältnis von 3:2 ist toll für kreative Arbeiten, sei es Schreiben, Bildbearbeitung und selbst im Videoschnitt gibt es gewisse Vorteile. Auch das Design des Monitors ist richtig schön schlicht und wirkt hochwertig. Mir hat der Monitor in meiner beinahe zweimonatigen Testphase gute Dienste geleistet, auch die Anschlüsse waren für meine tägliche Arbeit genug. So richtig gestört hat mich nichts, höchstens die Lautsprecher dürften besser sein. Was Grafiker*innen allerdings berücksichtigen sollten, ist, dass die Farbwiedergabe des DCI-P3-Farbraums die von Huawei beworbenen 98 Prozent nicht ganz erreicht. Wenn du allerdings nichts mit Grafiken oder Color Grading beim Videoediting zu tun hast, dürfte dir das nicht auffallen. Wofür der MateView nicht geeignet ist, ist für das Gaming. Dafür ist er allerdings auch gar nicht gedacht, denn Huawei hat für die Gamer*innen einen eigenen Monitor vorgestellt: den MateView GT.

Der Huawei MateView ist in der Schweiz offiziell ab dem 15. September 2021 für 699 Franken (UVP) erhältlich.

Pascal Scherrer
Ich mag Technik, Filme und Serien. Darum schreibe ich hier darüber. Klingt plausibel, oder?

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