Huawei Freebuds 4: Ausführlicher Test der Kopfhörer.

Huaweis neue Kopfhörer Freebuds 4 können trotz gutem Sound nicht vollends überzeugen

In den letzten drei Jahren ist Huawei beinahe aus dem Nichts zu einem respektablen Kopfhörerhersteller geworden. Punkten konnte man vor allem mit richtig gutem Noise-Cancelling, vor allem im Budget-Bereich ist Huawei mit den Freebuds 4i nur schwer zu toppen. Obwohl die günstigen Kopfhörer erst im Frühling vorgestellt wurden, legen die Chinesen jetzt bereits nach: Mit den Freebuds 4 widmet man sich nun wieder dem Semi-Ear-Formfaktor und möchte auch da mit aussergewöhnlichem Active Noise Cancelling überzeugen. Uns hat Huawei ein Testexemplar zur Verfügung gestellt, um uns selbst ein Bild zu machen.

Aussehen: Kein spezielles Design, aber gut verarbeitet

Huawei Freebuds 4 Test: Das ist in der Verpackung.
Das ist in der Verpackung. | Bild: vybe

Viel zu sagen gibt es hier nicht. Die Freebuds 4 sehen praktisch identisch wie die Vorgänger, die Freebuds 3, aus. Kleine Unterschiede gibt es zwar, allerdings fallen diese kaum auf. Im Vergleich zur Konkurrenz hebt sich das Design nicht ab, austauschbare Gummiaufsätze wie beispielsweise bei den Oppo Enco gibt es nicht. Erfreulich ist, dass Huawei den Freebuds 4 ebenfalls die Farbvariante Silver Frost spendiert hat. Ich habe zwar die weisse Version erhalten, allerdings konnte ich die Freebuds Pro in Silver Frost testen und dort sieht die Farbe einfach top aus. Weggefallen ist dafür die schwarze Version. Bei der Verarbeitung gibt es nichts zu meckern, du bekommst hier also dem Preis entsprechende Qualität.

Tragekomfort: Es kratzt im Ohr

Hier konnten mich die Freebuds 4 leider nicht überzeugen. Klar, es ist auch immer ein bisschen Geschmacksache, ob man beim Formfaktor nun Semi- oder In-Ear mag. Wenn die Umgebung ruhig ist, setze ich sehr gerne auf Semi-Ears, nur schon, um meinem Gehörgang mal eine Pause zu gönnen. Allerdings haben die Freebuds 4 eine Stelle in meiner Ohrmuschel so gereizt, dass ich sie nach drei Wochen schlicht nicht mehr gerne genutzt habe. Hier zeigt sich dann auch der Nachteil von Semi-Ear: Jedes Ohr ist leicht anders. Was bei mir kratzt, kann bei einer anderen Person tipptopp sitzen. Allerdings habe ich schon einige Semi-Ears getestet und keiner davon hat so unangenehm gescheuert.

Huawei Freebuds 4 Test: Kopfhörer im Ladecase.
Bild: vybe

Sound: Kopfhörer mit ordentlich Bass

Bei Semi- und In-Ear-Kopfhörer muss man wegen des kleinen Formfaktors immer einen gewissen Kompromiss beim Sound eingehen. Damit sollte man auch von den Freebuds 4 keine Wunder erwarten. Im Feld der Semi-Ears schlagen sich die Freebuds 4 aber gut. Der Sound ist vor allem bei den mittleren Tönen richtig satt, allerdings auch etwas basslastig. Die tiefen und mittleren Tönen werden ordentlich gemeistert, aber es gibt hier noch etwas Luft nach oben für das Nachfolgemodell. Jetzt kann man natürlich sagen, dass ein Momentum 2 von Sennheiser oder ein Sony-In-Ear besser ist. Ja, das stimmt. Allerdings kosten diese auch mindestens das Doppelte. Hier sollte man sich also schon bewusst sein, dass man für knapp 140 Franken nicht das Gleiche bezüglich Sound erwarten kann.

Active Noisce Cancelling: Top in seiner Kategorie

Huawei gibt an, dass die Freebuds 4 Active Noise Cancelling bis 25 Dezibel meistern. Für Semi-Ear-Kopfhörer ist das sehr beeindruckend. Schaltet man das ANC ein, merkt man auch tatsächlich einen kleinen Unterschied. Bei geringer Geräuschkulisse, beispielweise in einem Zug, bringt das Active Noise Cancelling wirklich etwas, wenn auch nicht viel. Steht man aber neben einer stark befahrenen Strasse, sieht man, wie limitiert ANC bei Semi-Ear-Kopfhörern ist. Ich höre unterwegs fast immer ein Hörbuch und wenn ich dann neben einer Strasse trotz aktivem ANC nichts mehr verstehe, reicht mir das leider nicht. Nicht falsch auffassen: Ich kritisiere hier nicht das ANC der Freebuds 4 an sich – dieses ist für einen Semi-Ear-Kopfhörer wirklich hervorragend. Aber gegen seine In-Ear-Kopfhörer-Brüder Freebuds Pro und den Freebuds 4i haben die Freebuds 4 bezüglich ANC keine Chance.

Huawei Freebuds 4 Test: So sehen die Kopfhörer aus.
Bild: vybe

Was mich beim ANC geärgert hat, ist, dass ich es immer wieder frisch aktivieren musste. Sprich: Ich setze mir die Kopfhörer in die Ohren, aktiviere das ANC und höre meine Musik. Lege ich die Freebuds 4 dann zurück ins Case und nehme sie einige Zeit später wieder raus, ist das ANC deaktiviert. Warum das so ist? Keine Ahnung. Wenn man sich aber von anderen Kopfhörern (ja, auch solche von Huawei) gewöhnt ist, dass das ANC aktiviert bleibt, vergisst man dann des Öfteren, es wieder einzuschalten.

Verbindung und Sensorik: Hier steckt der Wurm drin

Hier hat mich Huawei wirklich überrascht – leider nicht im Positiven. Ich bin mir von diesem Hersteller gewohnt, dass alles reibungslos und Out-of-the-Box funktioniert. Das hat bei den Freebuds 4 erstmal auch geklappt. Das Pairing hat mit und ohne App auf Anhieb funktioniert, auch mit dem iPhone. Die Verbindung bleibt auch über grössere Distanzen (bis rund zehn Meter) stabil und der Sound klar. Aber: Zwischendurch hat sich einer der beiden Kopfhörer immer ganz kurz entkoppelt und gleich wieder gekoppelt. Wirklich nur für eine Sekunde und auch nur sporadisch – aber eben doch oft genug, sodass es mich irgendwann genervt hat, weil einfach jedes Mal ein «Badum»-Sound ertönte.

Weshalb das passiert ist, kann ich nicht sagen. Es kann definitiv nicht am Smartphone gelegen haben, denn dieser Glitch ist bei einem Oppo-Gerät genauso wie mit dem Huawei P40 Pro vorgekommen. Selbst nach einem Firmware-Update ist das Problem nicht gänzlich verschwunden. Allerdings hatte ich das Gefühl, dass es etwas weniger aufgetreten ist. Es kann also gut sein, dass dies mit zukünftigen Updates ganz behoben wird. Trotzdem: Wer über 100 Franken für neue Kopfhörer ausgibt, möchte so etwas natürlich nicht haben.

Auch die Touch-Steuerung hat mich nicht ganz überzeugt. Lauter und leiser ging problemlos und zuverlässig. Allerdings haben die Kopfhörer beim Antippen immer mal wieder nicht oder nur verzöger reagiert. Es hatte fast den Anschein, als wäre die berührungsempfindliche Oberfläche nicht ganz so empfindlich, wie sie sein sollte. Hier leistet das Budget-Modell Freebuds 4i definitiv bessere Arbeit.

Akkulaufzeit: Gut, aber nicht mehr überragend

Huawei Freebuds 4 Test: Akkulaufzeit der Kopfhörer.
Bild: vybe

Bei der Akkulaufzeit verspricht Huawei mit dem Case 22 Stunden Wiedergabezeit, natürlich ohne ANC. Diese Zeit können die Freebuds 4 einhalten. Alles andere wäre auch eine Enttäuschung gewesen, denn mit 22 Stunden gehören die Freebuds 4 nicht zu den Spitzenmodellen bezüglich Akkulaufzeit. Auch mit aktiviertem ANC kommt man ohne Probleme mehr als einen Tag ohne Steckdose aus, allerdings muss man die Ohrhörer dann doch immer wieder aufladen. Huawei gibt die Akkulaufzeit der Kopfhörer ohne ANC mit vier Stunden, mit ANC mit 2,5 Stunden an.

Huawei Freebuds 4: Testfazit

Huawei Freebuds 4 Test: Fazit zu den Kopfhörern.
Bild: vybe

Die Freebuds 4 sind für mich die ersten Huawei-Kopfhörer, die ich nicht als rundum gelungen betrachte. Klar, kleinere Abstriche gab es auch bei den bisherigen Modellen, aber bei den Freebuds 4 haben mich dann doch zu viele Dinge gestört. Zum einen der Tragekomfort, der meine Ohrmuschel gereizt hat, zum anderen die Verbindung, die scheinbar noch seine Tücken hat. Auch die Touch-Steuerung hat zwischendurch Aussetzer oder reagiert eher träge. Die Akkulaufzeit ist okay, aber mit 22 Stunden ohne ANC kann man sich nicht an die Spitze setzen. Das Active Noise Cancelling ist für den Semi-Ear-Formfaktor top, aber hat gegen In-Ears trotzdem keine Chance. Zufrieden war ich bei den Freebuds 4 nur mit dem Sound. Klar, unter dem Strich ist das das Wichtigste, allerdings ist dies allein für mich kein Kaufargument. Mein Tipp: Wenn es auch ein In-Ear sein darf, kauft euch den günstigeren Freebuds 4i. Er kostet mittlerweile in gewissen Online-Shops gerade noch 69 Franken und lässt für diesen Preis keine Wünsche offen.

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