Streaming-Dienste stecken in der Krise.

Katerstimmung in der Streaming-Branche – die Konsequenzen tragen vor allem die Angestellten

In der Streaming-Welt herrscht Ernüchterung. Die Aufbruchstimmung, die noch während der Coronapandemie geherrscht hat, verkehrt sich immer mehr ins Gegenteil. Mediengiganten wie Netflix, Warner Bros. Discovery und Disney müssen sparen. Dabei hat vor allem Netflix in den letzten Jahren Geld in einem Massstab ausgegeben, der kaum Grenzen kannte. 450 Millionen US-Dollar für die Rechte an den beiden Fortsetzungen zu «Knives Out». 500 Millionen US-Dollar für die Streaming-Rechte an der Kult-Sitcom «Seinfeld». Dagegen wirkt der 200-Millionen-Dollar-Deal mit den «Game of Thrones»-Schöpfern schon fast lächerlich.

Doch auch andere Streaming-Dienste haben in den letzten Jahren Milliarden ausgegeben. Sie alle möchten einen grossen Anteil vom Streaming-Kuchen, haben allerdings den Start des Streaming-Zeitalters mehrheitlich verschlafen. Nun möchten Disney, Warner und Co. das wiedergutmachen. Den Vorsprung, den Netflix hat, lässt sich allerdings nur mit riesigen Investitionen bewerkstelligen. Während Netflix über ein Jahrzehnt Zeit hatte, seine Streaming-Infrastruktur aufzubauen und zu verfeinern, mussten Disney und Co. dies in wenigen Jahren, wenn nicht sogar Monaten bewerkstelligen. Hinzu kommen weitere Investitionen in den weltweiten Rollout der jeweiligen Dienste, schliesslich will man Netflix möglichst weltweit konkurrieren.

Exklusive Inhalte als Lockmittel

Wirklich teuer wird es aber bei den Inhalten. Jahrelang hat man Netflix das Feld überlassen, die Leute haben sich an Netflix gewöhnt. Das Publikum jetzt dazu zu bewegen, Netflix den Rücken zu kehren oder wenigstens einen zweiten Dienst zu abonnieren, ist schwierig. So greift jeder Streaming-Dienst auf die gleiche Strategie zurück: Exklusive Inhalte aka Originals sollen die Leute zu einem Abo bewegen. In der Welt von Hollywood heisst das: Franchise, Franchise, Franchise.

Millardworld
Netflix hat den Comic-Verlag Millarworld 2017 gekauft. | Bild: Millarworld

Bestehende Film- und Serienwelten werden ausgebaut oder neu aufgelegt. Gleichzeitig kaufen die grossen Studios Lizenzen wie wild auf. Netflix hat sich unter anderem gleich einen Comic-Verlag einverleibt, in der Hoffnung, ein Superheld:innen-Universum à la Marvel aufbauen zu können. Disney wiederum bringt gefühlt im Minutentakt neue «Star Wars»-Serien raus und Warner redet schon länger davon, «Harry Potter» als Serienuniversum bei HBO Max weiterzuführen.

Franchise verschlingen Milliarden

Der Wettlauf um die besten Franchise, die kreativsten Köpfe und beliebtesten Stars treibt dann auch die Preise für die Studios in die Höhe. Ein solcher Bieterwettstreit hat dafür gesorgt, dass die Lizenzrechte für eine «Herr der Ringe»-Serie für 250 Millionen an Amazon gingen. Der Techgigant hat danach noch einmal den gleichen Betrag in die Produktion der ersten Staffel gesteckt, was «Ringe der Macht» – wie die Serie am Ende hiess – zu einer der bisher teuersten Streaming-Produktionen gemacht hat.

Der Herr der Ringe: Die Ringe der Macht Serie bei Amazon Prime Video.
500 Millionen für Lizenz und erste Staffel hat Amazon für «Ringe der Macht» ausgegeben. | Bild: Amazon

Es war im Frühling 2022, als diese hohen Ausgaben erstmals ihren Tribut forderten. Netflix‘ Wachstum stagnierte erstmals. Durch den Krieg in der Ukraine und den Wegfall der russischen Abonnent:innen musste der Streaming-Riese sogar einen Rückgang von 200’000 Abos verzeichnen. Dabei hatten die Prognosen für das erste Quartal 2022 ein Wachstum von 2,5 Millionen Abos vorausgesagt.

Was darauf folgte, war ein Absturz des Aktienkurses und die Ankündigung von Netflix, beim Ausgeben von Geld einen Gang zurückzuschalten. Vor allem aber wollte man erst einmal Geld einsparen. Bewerkstelligt hat Netflix das unter anderem mit Entlassungen. Im Mai entliess Netflix 150 Angestellte, im Juni dann noch einmal 300. Nicht mitgerechnet sind bei diesen Zahlen die Freelancer, von denen sich Netflix ebenfalls getrennt hat.

Leute kündigen ihre Streaming-Abos

Doch Netflix ist nicht der einzige Dienst, der das Krisenjahr 2022 zu spüren bekommt. Die steigende Inflation sorgt nicht nur für höhere Produktionskosten, sondern kostet auch Abonnent:innen. Vor allem in Ländern, die von der Inflation stärker getroffen wurden, sparen die Leute bei den Streaming-Abos. So schreibt etwa der Guardian, dass die Anzahl an Haushalten in Grossbritannien, die mindestens einen Streaming-Dienst abonniert hätten, um fast eine Million gefallen sei.

Dass die Branche sparen muss, zeigt sich auch HBO Max. Der Streaming-Anbieter hatte im August 70 Leute entlassen. Dies geschah im Zuge des Zusammenschlusses der Muttergesellschaft Warner mit Discovery zum neuen Mediengiganten Warner Bros. Discovery. Entlassungen bei Firmenfusionen gehören zwar zum Alltag, allerdings versucht Warner Bros. Discovery auch in anderen Bereichen bei HBO Max zu sparen. So wurden diverse exklusive Produktionen für HBO Max gestrichen und der Europa-Rollout pausiert.

Mit «Batgirl» und «Scoob!» wurden sogar zwei Filme gestrichen, die praktisch schon fertig produziert waren und zusammen geschätzt 150 Millionen gekostet hatten. Für Warner Bros. Discovery soll es günstiger gewesen sein, die Filme von der Steuer abzusetzen, als sie auf dem hauseigenen Streaming-Dienst zu veröffentlichen. Insgesamt möchte das Studio bei HBO Max im nächsten Jahr drei Milliarden US-Dollar einsparen.

Auch Disney muss sparen

Selbst der erfolgsverwöhnte Disney-Konzern hat jüngst angekündigt, sparen zu müssen – und das, obwohl Disney+ einer der am schnellsten wachsenden Streaming-Dienste ist. Schaut man sich aber die Zahlen an, hat sich Disney dieses Wachstum teuer erkauft: Alleine im 3. Quartal 2022 hat der Streaming-Dienst 1,47 Milliarden US-Dollar Verlust gemacht. Daraufhin ist die Aktie auf den tiefsten Kurs seit zwei Jahren gesunken.

Aktienkurs von Disney
Bild: Screenshot Google

Nun werde man die Ausgaben für Inhalte und Marketing sorgfältig überprüfen, schreibt CEO Bob Chapek in einer internen Mitteilung, die dem Magazin Variety vorliegt. Gespart wird bei Disney aber auch beim Personal. Wie viele Leute das Unternehmen entlassen wird, ist aktuell noch unklar. In seinem Memo schreibt Chapek dazu:

«Ich bin mir bewusst, dass dies für viele von euch und eure Teams ein schwieriger Prozess sein wird. Wir werden schwierige und unbequeme Entscheidungen treffen müssen. Aber genau das ist es, was Führung erfordert, und ich danke euch im Voraus dafür, dass ihr euch in dieser wichtigen Zeit engagiert.»

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