Kobo Libra 2 im Test: Die (fast) baugleiche Alternative zum Tolino Vision 6

Hier bei uns in der schönen Schweiz sind besonders die eReader von Tolino verbreitet. Das ist nicht überraschend, schliesslich setzen die hiesigen Buchhändler wie Orell Füssli oder Weltbild voll und ganz auf die eReader der Tolino-Allianz. Was viele nicht wissen: Hinter den eReader von Tolino steckt eigentlich die kanadische Firma Kobo, die seit 2011 zum japanischen Konzern Rakuten gehört, und auch unter eigenem Namen Geräte vertreibt.

Die im Herbst 2021 vorgestellten eReader Kobo Libra 2 und Tolino Vision 6 sehen dann auch identisch aus. Unter der Haube gibt es allerdings ein paar erwähnenswerte Unterschiede. Um nur zwei Beispiele aufzuführen: Der Libra 2 hat doppelt so viel Speicher (32 GB) verbaut, dafür gibt es im Vision 6 den schnelleren Quad-Core-Prozessor. Der grösste Unterschied ist indes bei der Software bzw. dem Betriebssystem zu finden.

Kobo hat uns für diesen Test freundlicherweise den Libra 2 in der weissen Farbvariante (gibt ihn auch in Schwarz) bereitgestellt. In einem mehrtägigen Testzeitraum konnte ich einen guten Eindruck gewinnen, wie gut sich der Kobo Libra 2 im Alltag schlägt. Bereits zuvor durften wir das neue eReader-Flaggschiff Kobo Sage unter die Lupe nehmen.

Kobo Libra 2 vs. Kobo Sage
Der Kobo Libra 2 (links) im Vergleich zum Kobo Sage (rechts) | Bild: vybe

Kobo Libra 2 im Alltagstest

Der Kobo Libra 2 bringt 214 Gramm auf die Waage und ist 144.6 x 161.5 x 9 Millimeter klein. Die Verarbeitungsqualität lässt keine Wünsche offen. Dank des speziellen Griffbereichs und der strukturieren Rückseite lässt sich der eReader bequem in einer Hand halten und ebenso bedienen. Wie beim etwas grösseren Kobo Sage, sind im Griffbereich zwei physische Tasten integriert. Über sie lässt sich bequem in eBooks blättern. Alternativ geschieht das direkt über das Touchscreen.

In der Badewanne oder auf der Luftmatratze im Pool ein eBook lesen oder Hörbuch anhören? Kein Problem mit dem Kobo Libra 2. Er ist nach Schutzart IPX8 wasserdicht. In anderen Worten: Dem Sage macht es nicht aus, wenn er ins Wasser fällt. Er kann während einer Stunde bis zu einer Wassertiefe von 2 Metern wegstecken. Aber bitte: Ein eingestecktes Ladekabel hat in der Badewanne nichts zu suchen.

Kobo Libra 2 USB-C
Geladen wird via USB-C-Anschluss | Bild: vybe
Kobo Libra 2 physische Tasten
In eBooks lässt sich mit den physischen Tasten oder über das Touchscreen blättern | Bild: vybe

Unter der Haube steckt ein 1 GHz Prozessor, der von 512 MB Arbeitsspeicher und 32 GB internen Speicherplatz flankiert wird. In diesen Punkten unterscheidet sich der Tolino Vision 6 klar vom Kobo Libra 2. Beim Schwestermodell von Tolino gibt es einen schnelleren Quad-Core-Prozessor mit 1,8 GHz und 1 GB RAM. Dafür fällt der interne Speicherplatz mit 16 GB kleiner aus.

Display

Der Kobo Libra 2 verfügt über ein sieben Zoll grosses E-Ink-Carta-1200-Touchscreen-Display ohne Spiegeleffekte (Anti-Glare). Mit einer Auflösung von 1264 x 1680 Pixel erreicht der Libra 2 eine Pixeldichte von ziemlich genau 300 PPI. Oder anders ausgedrückt: Als Leser*in darf man sich auf eine gestochen scharfe Darstellung der Texte und/oder Grafiken auf dem Display freuen. Im Alltag zeichnet sich das Display zudem durch ein sehr gutes Kontrastverhältnis und einer schnellen Reaktionszeit aus.

Kobo Libra 2 Bücher
Bild: vybe

Die sogenannte ComfortLight PRO Hintergrundbeleuchtung überzeugte mich bereits beim Kobo Sage auf ganzer Linie. Auch beim Libra 2 ist sie mit an Bord und arbeitet genauso hervorragend. Damit lässt sich die Helligkeit, Farbtemperatur und Blaulichtstärke des Displays in mehreren Stufen anpassen. Mit der Funktion „Natürliches Licht“ geschieht das sogar vollautomatisch der Tageszeit angepasst.

eBooks

Warum kauft man sich überhaupt einen eReader? Dafür gibt es aus Sicht des Autors gleich mehrere triftige Argumente. Angefangen beim Bildschirm. Der ist zwar nicht farbig und bietet auch keine höhere Bildwiederholrate, ermöglicht dafür dank E-Ink-Display aber ein umso angenehmeres Leseerlebnis. Hinzu kommt eine Akkulaufzeit, an die kein Smartphone oder Tablet herankommt – auch das, ist ein ziemlich überzeugendes Argument.

Bei Kobo schätze ich die Kompatibilität zu allerlei unterschiedlichen Datei-Formaten. Der Libra 2 versteht sich mit folgenden Datei-Formaten: EPUB, EPUB3, FlePub, PDF, MOBI, JPEG, GIF, PNG, BMP, TIFF, TXT, HTML, RTF, CBZ und CBR. Ja, auch durch DRM geschützte Werke können nach einer einmaligen Legitimierung bei Adobe angesehen werden. Neue eBooks können bequem über den Online-Shop von Kobo gekauft oder per USB-Anschluss von einem Computer/Laptop übertragen werden. Leider gibt es die praktische Dropbox-Integration nur beim teureren Kobo Sage.

Kobo Libra 2 Lesemodus
Bild: vybe

Ein grosser Vorteil der Kobos, ist, dass sie ab Werk OverDrive unterstützen. Damit lassen sich eBooks aus der digitalen Sammlung einer lokalen Bibliothek ausleihen. In der Schweiz sind da allerdings noch nicht wahnsinnig viele Bibliotheken mit an Bord. Die Bibliotheken, welche ich während der Beitragserstellung entdeckt habe, führen vor allem englische und nur sehr wenige deutsche Inhalte in ihrem Katalog.

Gekaufte bzw. auf dem Kobo Libra 2 übertragene eBooks (und Hörbücher) werden unter „Meine Bücher“ aufgelistet. Sie lassen sich nach „Bücher“, „Autoren“, „Serien“ und „Sammlungen“ anzeigen. Darüber hinaus lassen sich verschiedene Filter setzen, die Ansicht der Darstellung anpassen und im Katalog nach einem bestimmten Inhalt suchen. Die gespeicherten Inhalte können hier auch problemlos gelöscht werden.

Im Lesemodus lassen sich eBooks wahlweise im Hoch- oder Querformat lesen. Der Kobo Libra 2 unterstützt 12 verschiedene Schriftarten und 50 verschiedene Schriftgrössen. In allen eBooks hat man zusätzlich die Möglichkeit den Zeilenabstand, die Ränder und die Ausrichtung des Textes zu bestimmen. Neu gibt es in den Einstellungen sogar einen Dark-Mode bzw. einen dunkel Modus. Damit wird der Hintergrund in „Schwarz“ und der Text in „Weiss“ dargestellt.

Die Bedienung im Lesemodus ist logisch aufgebaut. Durch die Seiten lässt sich entweder direkt über das Touchscreen oder mittels der zwei physische Tasten blättern. In meinem Fall hat sich herauskristallisiert, dass ich die physischen Tasten bevorzuge. Zu jedem digitalen Buch führt der Sage zudem eine interessante Statistik.

Hörbücher

Der Kobo Libra 2 unterstützt wie der Sage neu auch Hörbücher (Audiobooks). Sobald ein Bluetooth-Kopfhörer mit dem Libra 2 verbunden ist, was im Test mit den Oppo Enco X Bluetooth-Kopfhörer auf Anhieb geklappt hat, kann das „Hörerlebnis“ starten. Im hauseigenen Kobo-Shop können Hörbücher direkt heruntergeladen werden. Enttäuschend: Zumindest aktuell lassen sich leider noch keine Hörbücher aus anderen Quellen, d.h. ausserhalb des Kobo-Shops, hinzufügen.

Kobo Libra 2 Bluetooth
Koppeln leicht gemacht | Bild: vybe
Kobo Libra 2
Wiedergabe eines Hörbuchs | Bild: vybe
Kobo Libra 2
Anpassung der Wiedergabegeschwindigkeit | Bild: vybe

Der integrierte Player bietet alles, was für die Wiedergabe von Hörbüchern notwendig ist. Ja, auch die Abspielgeschwindigkeit kann auf Wunsch beschleunigt oder leicht verlangsamt werden. Vermisst habe ich beim Hörbuch-Player jedenfalls nichts. Er funktioniert gut und ist sehr einfach zu bedienen.

Akku

Der Akku hat mich beim Kobo Libra 2 noch etwas mehr überzeugt, als dies beim Kobo Sage der Fall war. Er liefert tatsächlich eine Laufzeit von „mehreren Wochen“, wie es Kobo auf der Produktseite schreibt. Wie üblich, hängt die Akkulaufzeit auch immer stark mit dem Nutzungsverhalten zusammen. Wenn du deine Bücher immer mit maximaler Hintergrundbeleuchtung liest, muss dein Libra 2 deutlich früher an die Steckdose.

Apropos: Der Kobo Libra 2 wird über den USB-C-Anschluss aufgeladen. Die Ladegeschwindigkeit ist jetzt nicht so hoch, wie beispielsweise beim Oppo Find X3 Pro, aber sie reicht absolut aus.

SleepCover

Kobo Libra 2
SleepCover für den Kobo Libra 2 | Bild: vybe

Das SleepCover für den Libra 2 gibt es in vier verschiedenen Farben. Magnete in der Schutzhülle sorgen dafür, dass sich der eReader automatisch einrastet. Das SleepCover bietet für die Vorder- und Rückseite optimalen Schutz für den eReader. Die Seiten werden damit allerdings nicht geschützt. Ein integrierter Ständer ermöglicht dafür freihändiges Lesen im Hoch- und Querformat. Beim Öffnen der Schutzhülle startet der Libra 2 automatisch und beim Schliessen wird er automatisch in den Ruhemodus versetzt.

Kobo Libra 2 Bibliothek
Übersicht der Bücher | Bild: vybe

Das Testfazit zum Kobo Libra 2

Auch wenn mich die Grösse und das Gewicht beim etwas teureren Kobo Sage nicht wirklich gestört hat, muss ich eingestehen, dass mir der Libra 2 in dieser Hinsicht noch etwas besser gefallen hat. Ja, ich finde das ausgezeichnete sieben Zoll E-Ink-Display und die damit verbundenen Abmessungen ziemlich perfekt für einen eReader. Nicht zu gross und nicht zu klein – genau richtig eben.

Wer bereits das Vorgängermodell Kobo Libra oder ein vergleichbares Gerät im Einsatz hat, der muss nicht auf das neue Modell wechseln. Das Upgrade fällt dafür in meinen Augen doch etwas zu klein aus. Wer jedoch einen etwas älteren eReader im Einsatz hat und jetzt auf der Suche nach einem neuen Gerät ist, der sollte sich unbedingt den Kobo Libra 2 anschauen.

Kobo Libra 2 oder Tolino Vision 6 kaufen?

Diese Frage lässt sich nicht so pauschal beantworten. Beides sind sehr gute eReader und sehen von Aussen her identisch aus. Der Tolino Vision 6 hat etwas mehr Leistung unter der Haube, was sich unter anderem beim Öffnen grösserer eBooks bzw. PDFs bemerkbar macht, dafür hat Kobo in meinen Augen das bessere Betriebssystem und doppelt so viel Speicherplatz.

Letztendlich kommt es auf das bevorzugte Ökosystem an. Fühlt man sich zu den Buchhändlern Orell Füssli oder Weltbild hingezogen, dann ist der Tolino Vision 6 wohl die bessere Wahl. Die eReader der Tolino-Allianz bieten hierfür eine optimale Integration der Online-Shops (eBooks) dieser Buchhändler. Ist man in dieser Hinsicht etwas flexibler oder sowieso schon im Lager von Kobo unterwegs, bietet sich der Kobo Libra 2 an.

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