Love, Death and Robots Staffel 2: Ein zu kurzer Moment Glückseligkeit

Als 2019 die erste Staffel Love, Death and Robots auf Netflix landete, kam die Serie wie aus dem Nichts. Niemand hatte danach gefragt, doch was die Anthologie in ihren kurzen Geschichten erzählte, hatte mich richtig verblüfft. In 18 Episoden wurden kleine Geschichten aus fiktiven Welten, mal Fantasy, mal Science-Fiction, erzählt, die einem oft ratlos zurückliessen. Oft wirkten die Geschichten wie Kapitel, die aus einem Roman gelöst worden sind, um sie uns hinzuwerfen und in visuell beeindruckenden Bildern zu erzählen. Alle gemein hatten sie, dass sie (bis auf eine Episode) komplett animiert waren. Der Stil unterschied sich dabei von Episode zu Episode: Mal erschlugen uns die hyperrealistischen Weiten des Alls, im nächsten Moment sahen wir einem cartoonigen Hitler beim Sex zu.

Love, Death and Robots vereinte alles, was ich an Animation liebe und zeigt, dass dieses Medium zu so viel mehr taugt als nur Trickfilme für Kinderunterhaltung. Nun, nach zwei Jahren des langen Wartens und etlichen Verzögerungen, hat Netflix endlich die zweite Staffel aufgeschaltet. Die grosse Vorfreude macht aber schnell Ernüchterung Platz, denn statt 18 Kurzgeschichten wie noch in Staffel 1, kriegen wir nur gerade acht Episoden. Damit steigt der Druck für neuen Folgen natürlich gewaltig, denn so unterhaltsam die erste Staffel war, so variabel war das Niveau der Kurzfilme. Auch die zweite Staffel kann nicht mit allen Kurzfilmen überzeugen, auch wenn für mich nur eine Episode nicht wirklich mit den anderen mithalten konnte. In dieser beschliesst ein Staubsaugerrobotter in einer wohl nicht allzu fernen Zukunft, seiner Besitzerin den Garaus zu machen. Die Gesellschaftssatire, darin zum Tragen kommt, wird zwar schnell klar, kann aber in den wenigen Minuten nicht den nötigen Biss entwickeln, um im Gedächtnis zu bleiben.

Staffel 2 setzt vor allem auf 3D

Um einiges spannender ist da die Episode, in der zwei Brüder auf einem fremden Planeten zu einem gefährlichen Abenteuer im Eis und Schnee aufbrechen. Diese Episode ist visuell mit Abstand die abstrakteste und hebt sich erfrischend von den restlichen Folgen ab, die leider alle auf 3D setzen. Nicht falsch verstehen, ich liebe 3D, und was die Episode Snow in der Wüste in Sachen 3D-Animation abliefert, ist einfach atemberaubend. Allerdings hätte ich mir bei den Kurzgeschichten mehr Abwechslung bei den Stilen gewünscht, so wie bei der ersten Staffel. Immerhin eine Stop-Motion-Folge hat es in die Staffel geschafft, die mich mit seiner kurzen, aber amüsanten Story begeistert hat.

Love, Death and Robots Staffel 2 Snow
Snow sieht richtig gut und verblüffend echt aus. | Bild: Netflix

Vom Stil her auch sehr interessant war die Episode Im hohen Gras, die trotz der Verwendung von 3D wie ein Kunstgemälde wirkte. Inszeniert wurde die Folge übrigens vom Schweizer Simon Otto, der in den letzten Jahren als Head of Character Animation für DreamWorks an Drachenzähmen-leicht-gemacht-Filmen gearbeitet hat. Zusammen mit den Kurzgeschichten Eis und Bescherung hebt sich Im hohen Gras visuell angenehm von den restlichen fünf Kurzgeschichten ab. Bezüglich inhaltlicher Abwechslung bietet auch die zweite Staffel einiges, auch wenn die Folge Rettungskapsel ein bisschen wie eine Fortsetzung der Kurzgeschichte Raumschiff Nr. 13 aus der ersten Staffel wirkte. Hier hätte man ruhig einem anderen Thema den Vorrang geben dürfen.

Fazit

Insgesamt bietet die zweite Staffel Love, Death and Robots wieder einige sehr interessante und auch sehr unterschiedliche Ideen. Trotz der unterschiedlichen Geschichten fühlt sich die Staffel aber nicht so abwechslungsreich wie die Erste an. Das liegt schlicht daran, dass nach acht Kurzgeschichten einfach Schluss ist und man das Gefühl hat, dass da noch was fehlt. Man kann es natürlich sehen, wie man möchte: Lieber acht Folgen als gar keine. Trotzdem bleibt zu hoffen, dass eine allfällige dritte Staffel wieder mehr Folgen haben wird.

Übrigens: Was sonst noch im Mai neu auf Netflix startet, liest du in unserer Streaming-Vorschau.

Pascal Scherrer
Ich mag Technik, Filme und Serien. Darum schreibe ich hier darüber. Klingt plausibel, oder?

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