Nokia XR20: Design und Verarbeitung.

Nokia XR20 im Test: Ein schickes Smartphone für alle Outdoor-Fans

Man darf wohl getrost sagen, dass Nokia, respektive Lizenznehmerin HMD Global, im Premium-Smartphone-Markt gescheitert ist. Ein Nachfolger für das Nokia 9 PureView scheint vorerst nicht geplant, stattdessen konzentriert sich Nokia auf den Einsteiger- und Mittelklassebereich. Günstige, robuste und ausdauernde Smartphones möchte Nokia anbieten. Akkulaufzeiten von zwei und neu sogar drei Tagen verspricht der Hersteller für seine Smartphones. Mit dem Nokia XR20 geht man nun noch einen Schritt weiter: Nebst 5G und langer Akkulaufzeit soll das Gerät vor allem durch seine Unverwüstlichkeit brillieren. Vorgestellt hat Nokia das Smartphone bereits Ende Juli 2021. Wir haben das Gerät über mehrere Monate ausgiebig getestet, um dir eine Langzeiteinschätzung geben zu können.

Aussehen und Verarbeitung

Das Nokia XR20 macht schon beim Design klar: Ich bin speziell. Der Kamerabuckel auf der Rückseite ist nicht mehr rund, sondern quadratisch mit abgerundeten Ecken. Umrahmt wird eine Dual-Kamera mit gleich zwei LED-Lichtern. Das ist ganz klar ein Zugeständnis an die Outdoor-Zielgruppe, die gerne mal etwas mehr Licht zur Verfügung hat. Entsprechend haben viele Outdoor-Smartphones zwei LED-Lichter verbaut – auch wenn Nokia selbst sagt, dass das XR20 kein Outdoor-Handy sei.

Darüber kann man diskutieren. Rein optisch ist das XR20 zwar nicht so klobig wie manches Outdoor-Smartphone, aber eben doch wuchtiger als ein normales Handy. Mir kam es vor, als hätte man ein normales Smartphone mit einer Bumber-Hülle in der Hand. Allerdings eine sehr hübsche «Hülle», die das XR20 nicht so martialisch wie manches Outdoor-Handy aussehen lässt. Stattdessen gibt es eine fein geriffelte Rückseite, die dafür sorgt, dass man selbst mit nassen Händen noch einen guten Grip hat. Der Rahmen ist eine Kombination aus dem Verbundwerkstoff der Rückseite und Metallelementen. Das sieht überraschend gut aus. Schön auch, dass Nokia sein Logo dieses Mal nicht am unteren Rand auf der Vorderseite reingequetscht hat, sondern es (nebst der Rückseite) auf der Seite platziert hat.

Nokia XR20 Test: Ansicht seitwärts mit Lautstärkewippe und Fingerabdrucksensor.
Bild: vybe

Bei den Tasten gibt es keine Überraschungen. Rechts ist die Lautstärkewippe und der Standby-Knopf mit eingebautem Fingerabdrucksensor. Dieser reagiert zwar etwas langsamer als bei anderen Geräten in dieser Preisklasse, aber immerhin funktioniert er zuverlässig. Selbst mit nassem Daumen wird das XR20 zuverlässig entsperrt. Einzig, wenn eure Finger zu schmutzig sind, entsperrt der Sensor nicht mehr – was auch gut so ist, sonst könnte ja eine beliebige Person euer Smartphone entsperren.

Auch ansonsten hat Nokia beim XR20 an vieles gedacht, was Outdoor-Fans schätzen dürften:

  • Eine Zubehörschlaufe, an dem du ein Schlüsselband befestigen kannst
  • Eine Notfalltaste auf der Oberseite, mit der man Notfallkontakte anrufen oder den Bildschirm entsperren (via Gesichtserkennung) kann
  • Einen 3,5-Millimeter-Kopfhöreranschluss

Einziger Kritikpunkt – wie so oft bei Nokia-Smartphones – ist wieder einmal die Google-Assistant-Taste. Zwar kann ich sie mittlerweile deaktivieren, allerdings lässt sie sich nicht mit einer anderen Funktion belegen. Wer den Google Assistant nicht braucht, so wie ich, hat also eine nutzlose Taste am Smartphone. Sehr schade.

Display

Nein, beim Display macht auch das Nokia XR20 keine grossen Sprünge. Statt eines OLED-Panels gibt es IPS-Display, was in der Preisklasse von über 500 Franken eher etwas knauserig ist. Klar, lieber ein robustes Smartphone als OLED, allerdings zeigt Oppo mit dem Reno6 oder Samsung mit dem Galaxy A52, dass OLED-Screens in dieser Preisklasse möglich sind.

Nokia XR20: Wie gut ist das Display?
Bild: vybe

Erfreulich ist dafür, dass das XR20 mit einer Punch-Hole-Kamera kommt und nicht mit dieser hässlichen Wassertropfenaussparung, die günstigere Modelle haben. Ebenfalls gibt es mit Gorilla Glass Victus den besten momentan verfügbaren Displayschutz für das XR20. Alles andere wäre auch seltsam gewesen, immerhin soll das XR20 Militärstandards erfüllen.

Ansonsten gibt es grosszügige 6,67 Zoll mit einer Auflösung von 1080 x 2400 Pixeln. Die Helligkeit des Displays ist mit 550 Nits gut, was dafür sorgt, dass die Inhalte auch draussen bei Sonneneinstrahlung gut lesbar bleiben. Unter dem Strich kriegst du damit ein Display, das die Alltagsanforderungen erfüllt, mehr aber auch nicht. Für ein Smartphone, das sich vor allem an Outdoor-Fans richtet, ist das aber okay.

Kamera

Bei der Kamera wirbt Nokia zwar mit einer Hauptlinse mit 48 Megapixeln, aber eine hohe Auflösung macht natürlich noch keine gute Kamera. Das zeigt sich dann auch in den Fotos. Nein, schlecht ist die Kamera nicht, aber eben auch kein Highlight. Hier merkt man, dass Nokia noch nicht zu den Klassenbesten gehört. Fotos werden vor allem bei guten Lichtverhältnissen ansprechend. Sobald es etwas wolkig ist, wirken die sonst natürlichen Farben schnell mal etwas blass, fast ausgebleicht.

Nokia XR20: Beispielfoto Hauptkamera bei Tageslicht.
Diese Primel ist in Wirklichkeit etwas intensiver gelb gefärbt. | Bild: vybe
Nokia XR20: Beispielfoto Hauptkamera bei Tageslicht.
Die Farbwiedergabe ist aber relativ akkurat und nicht übertrieben gesättigt. | Bild: vybe
Nokia XR20: Beispielfoto Nahaufnahme.
Bei Nahaufnahmen verzichtet Nokia auf eine Macrolinse. Daher werden Fotos mit zu wenig Abstand schnell verschwommen. | Bild: vybe

Setzt dann die Dämmerung ein, hat die Kamera des XR20 schon etwas Mühe, spätestens bei Nacht ist dann doch merkliches Bildrauschen angesagt. Hier kann Nokia leider nicht mit der Konkurrenz mithalten. Schlecht ist die Kamera damit nicht, sondern im soliden Mittelfeld. Damit ist die Kamera vermutlich schon für viele gut genug, denn wer nicht regelmässig den Pro-Modus nutzt oder Nachtaufnahmen macht, wird zufrieden mit den Schnappschüssen sein.

Als Zusatz gibt es noch eine Ultraweitwinkellinse mit 13 Megapixeln. Das ist dahin gehend erfreulich, als dass viele andere Hersteller das zwar auch machen, aber eher auf magere 8 Megapixel setzen, etwa Huawei mit dem Nova 9. Erneut: Megapixel sind nicht alles, doch im Mittelklassensegment sollte man keine Ultraweitwinkellinse mehr unter 12 Megapixeln verbauen. Ultraweitwinkelaufnahmen mit dem XR20 sind okay, auch wenn man merkt, dass der Sensor hier nicht so viel Licht aufnehmen kann. Damit werden Fotos im Ultraweitwinkel generell etwas dunkler, als mit der Hauptkamera.

Geschwindigkeit und Software

HMD Global scheint sich einen Jahresvorrat an Snapdragon-480-Chips gekauft zu haben. Anders lässt sich kaum erklären, dass in so ziemlich jedem neuen Nokia-Smartphone dieser Chip zum Einsatz kommt. Klar, der Snapdragon 480 verrichtet seinen Dienst zügig, zuverlässig und ist 5G-fähig. Damit ist das XR20 für den heutigen Alltag gerüstet. Fraglich bleibt natürlich, wie gut dieser Prozessor in ein paar Jahren noch ist. Angesichts dessen, dass Nokia damit wirbt, dass man seine Geräte jahrelang behalten kann, ist das ein wichtiger Aspekt. Leider lässt sich dieser im Moment noch nicht beantworten.

Für eine lange Nutzung eines Smartphones ist natürlich auch wichtig, dass man regelmässig Updates bekommt. Hier hatte HMD Global zuletzt ja ziemlich enttäuscht, als das Unternehmen ankündigte, ihr Flaggschiff nicht mehr mit Android 11 zu versorgen. Damit haben sie ihrem Upgrade-Versprechen widersprochen. Beim XR20 verspricht Nokia auf seiner Website, dass das Gerät bis 2025 mit Sicherheits-Updates versorgt wird. Das ist schon mal eine gute Sache. Fraglich bleibt allerdings, wie lange das Nokia XR20 mit System-Updates versorgt wird. Bei der Neupositionierung seiner Modelle im Frühling 2021 sagte Nokia, dass Modell der X-Reihe drei Jahre lang Betriebsystems- und Sicherheits-Updates erhalten würden.

3 Jahre OS-Updates oder doch nicht?

Auf der offiziellen Produkt-Website des XR20 spricht Nokia nun plötzlich von «mit bis zu drei Jahren Android-Upgrades». Eine sehr vage Formulierung, mit der sich Nokia die Hintertür offen lässt, im schlimmsten Fall gar keine System-Upgrades auszuliefern. Dass das passiert, ist unwahrscheinlich, denn damit würde sich Nokia alle Sympathien verspielen. Allerdings ist es nur schon ein kleiner Dämpfer, dass Nokia von seinem garantierten dreijährigen Update-Versprechen weggekommen ist und nun nur noch «bis zu drei Jahren Android-Upgrades» anbietet.

Das Nokia XR20 wird mit Android 11 ausgeliefert und ist seit seinem Launch im Juli 2021 noch nicht auf Android 12 aktualisiert worden. Klar, Android 12 wurde erst am 19. Oktober 2021 vorgestellt. Dafür, dass Nokia aber auf pures Android setzt, dauern Upgrades überraschend lange. So waren beispielsweise Samsung oder OnePlus, die immerhin noch die User-Oberfläche anpassen müssen, schneller. Immerhin wird das Upgrade auf Android 12 seit Mitte Dezember für das Nokia XR20 langsam ausgerollt. Zumindest bei meinem Testgerät ist Android 12 bisher (Stand 17.02.2022) noch nicht verfügbar.

Auch Nokia installiert jetzt Apps vor

Bleibt noch ein letzter Punkt, bei dem Nokia seine anfänglichen Versprechungen auch gebrochen hat: Vorinstallierte Apps. Eigentlich hiess es einmal, das sei für Nokia-Handys ein No-Go. Letztes Jahr hat sich das aber geändert und so kommt das XR20 mit zwei vorinstallierten Anwendungen: Spotify und Express VPN. Klar, das sind nur zwei Apps und nicht mal schlimme. Spotify dürften eh viele nutzen und Express VPN lässt sich rasch deinstallieren. Aber hier geht es eben darum, dass Nokia seine früheren Versprechen nicht einhält. Da fragt man sich, wie das in zwei, drei Jahren aussieht. Haben wir dann plötzlich dutzende Apps vorinstalliert, wie es teilweise bei der Konkurrenz der Fall ist? Ich hoffe nicht.

Als letzter Punk wäre da noch die Sache mit 5G. Eigentlich wäre das Nokia XR20 5G-fähig. Das ist eine tolle Sache und darf man mittlerweile im Preissegment von 500 Franken auch erwarten. Allerdings weigert sich mein Testmodell, sich im 5G-Netz meines Anbieters einzuwählen. Ich habe Nokia darauf angesprochen und habe bis heute leider keine befriedigende Antwort erhalten. Nokia konnte sich das selber nicht so richtig erklären und sagte mir dann, es sei ein Bug. Das Smartphone sei im 5G-Netz drin, zeige aber fälschlicherweise 4G an. Dann führten sie mir eines ihrer Geräte vor, bei dem beim Signal tatsächlich 5G angezeigt wurde – mit der SIM-Karte des gleichen Anbieters. Scheint also tatsächlich ein Bug zu sein. Bloss: Nun, ein halbes Jahr später, zeigt mein XR20 noch immer 4G an, wo ich 5G haben sollte. Entweder hat Nokia den Bug also noch nicht behoben oder mein Gerät ist defekt.

Akkulaufzeit und Laden

Smartphones der X-Reihe haben eine Akkulaufzeit von zwei Tagen. Auch das versprach Nokia 2021, als die X-Serie präsentiert worden ist. Auf der Verpackung des XR20 ist nun nur noch die Rede von bis zu zwei Tagen. Erneut ein kleiner, aber feiner Unterschied. Immerhin: In diesem Fall kann Nokia Wort halten. Einmal geladen, hält das Gerät selbst bei intensiver Nutzung etwa anderthalb Tage. Wer das Gerät nur gelegentlich braucht und nicht andauernd Musik oder Videos streamt, schafft die zwei Tage Akkulaufzeit problemlos.

Beim Laden gibt es 18 Watt Fast Charging, was in der Android-Welt nichts Aussergewöhnliches ist. Tatsächlich gibt es bereits in der Mittelklasse etliche Smartphones, die um einiges schneller geladen sind als das XR20. Wer sein Smartphone über Nacht lädt, wird das aber sowieso egal sein. Erfreulich ist dafür, dass Nokia dem XR20 kabelloses Laden spendiert hat – und zwar mit immerhin 15 Watt. Damit ist man auf Augenhöhe mit dem iPhone 13 Mini. Generell ist es im Outdoor-Handy-Bereich noch immer schwierig, Modelle zu finden, die man kabellos laden kann. Hier hat das XR20 also klar die Nase vorn (auch wenn es offiziell kein Outdoor-Handy ist …).

Ist das Nokia XR20 wirklich so robust?

Die kurze Antwort? Ja. Das Ding hält wirklich einiges aus. IP68-zertifiziert ist es sowieso, aber Nokia setzt mit der Zertifizierung MIL-STD-810H für das Gehäuse noch einen obendrauf. Damit kannst du das Gerät selbst auf harten Beton oder spitze Kieselsteine fallen lassen, ohne dir Sorgen zu machen (nicht, dass man so was freiwillig machen würde). Auch Wasser und Staub ist für das XR20 kein Problem, ja selbst ein Kälteschock, gefrierender Regen und hohe Luftfeuchtigkeit hält das Gerät aus. Und wer ganz gefährlich unterwegs ist, kann das Gerät laut Zertifizierung sogar ätzender Atmosphäre, mechanischem oder ballistischem Schock und sogar Schock durch Geschützfeuer (WTF?!) aussetzen, ohne, dass etwas passiert. Ich habe jetzt aber darauf verzichtet, das zu testen.

Fazit zum Nokia XR20

Nokia XR20: Design und Verarbeitung.
Bild: vybe

Nokia sagt ganz klar: Das XR20 ist kein Outdoor-Handy. Ich sage: Ist es doch. Zumindest ist klar, dass Nokia es auf diese Zielgruppe abgesehen hat. Denn für ein normales Alltags-Handy ist es doch etwas klobiger, als man es gerne hat und ist technisch nicht auf Augenhöhe mit ähnlich teuren Geräten. Betrachtet man das Gerät aber als Outdoor-Handy, hat Nokia wirklich einen guten Job gemacht. Optisch sieht es toll aus und glänzt mit durchdachtem Design und Details wie einer Zubehörschlaufe. Das Gerät ist zwar kein technischer Überflieger, verrichtet seinen Dienst aber zuverlässig und ohne grobe Schnitzer. Auch die Kamera geht in Ordnung, wenn man keine hohen Ansprüche hat. Mit 5G und kabellosem Laden ist es auch für den heutigen Alltag gerüstet. Kommt hinzu, dass die Akkulaufzeit mit bis zu zwei Tagen top ist. Wo Nokia jetzt noch liefern muss, ist bei der Zuverlässigkeit der Updates. Hier hat der Hersteller jüngst ewas Vertrauen verspielt. Das ist aber ein Thema für die Zukunft.

Damit ist das Nokia XR20 ein tolles Smartphone für alle, denen der neuste technische Schnickschnack nicht so wichtig ist, dafür aber die Robustheit. Denn in dieser Kategorie ist das Nokia XR20 wirklich top. Egal, ob Beton, Kies, Sand, Schnee oder Wasser: Das XR20 steckt alles weg – und sieht dabei noch gut aus.

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