Technik

Oppo Find N2 Flip im Test: Das beste Clamshell-Foldable?

Das Oppo Find N2 Flip in leicht geöffnetem Zustand

Wer an faltbare Smartphones denkt, denkt zweifelsohne an den südkoreanischen Hersteller Samsung. Der Falt-Pionier hat seine faltbaren Smartphones in den letzten Jahren stark gepusht und weiterentwickelt. Andere Hersteller, wie etwa Motorola mit dem RAZR oder Huawei mit dem P50 Pocket, spielten dabei zumindest in Europa eine untergeordnete Rolle.

Nicht zu vergessen ist natürlich auch Oppo. Der chinesische Hersteller hat mit dem Find X (2021) in der Vergangenheit nicht nur einen sehr spannenden Prototyp eines „rollbaren Smartphones“ präsentiert, sondern hat mit dem Find N vor gut einem Jahr auch ein marktreifes Foldable in China lanciert. Letzteres konnten wir ausprobieren und waren sehr angetan vom handlichen Formfaktor und dem ausgeklügelten Falt-Mechanismus.

Mit dem Find N2 Flip startet jetzt ein weiteres Foldable von Oppo – und ja, dieses Modell ist in der Schweiz erhältlich. Es kommt im Clamshell-Design daher und geht damit direkt mit Samsungs Galaxy Z Flip4 auf Konfrontationskurs. Oppo war so freundlich und hat uns bereits einige Wochen vor dem offiziellen Markstart mit einem Testgerät versorgt. Im Test verraten wir dir unter anderem, wie gut Oppo den Falt-Mechanismus hinbekommen hat und ob das grosse Aussendisplay ein Mehrwert darstellt.

Das Oppo Find N2 Flip ist ab sofort zum Preis von 999 Franken (UVP) in den Farbvarianten Moonlit Purple und Astral Black in der Schweiz erhältlich.

Aussehen, Handhabung und Verarbeitung

Dass das Oppo Find N2 Flip etwas Spezielles ist, verdeutlicht die durch und durch luxuriöse Verpackung mit ausgeklügeltem Mechanismus beim Öffnen. Darin befindet sich neben dem kleinen Schmuckstück auch ein passendes Netzteil, ein USB-C-Ladekabel und sogar eine transparente Plastikhülle bei. Ja, andere Hersteller können sich in dieser Hinsicht bei Oppo eine Scheibe abschneiden.

Die Verpackung vom Oppo Find N2 Flip
Ja, die Verpackung ist edel! | Bild: vybe

Beim Find N2 Flip fällt im ersten Moment vor allem das hochkante Aussendisplay auf. Es ist mit einer Diagonale von 3,26 Zoll deutlich grösser als bei der Mitbewerberin Samsung. Darauf lassen sich bis zu sechs Benachrichtigungen anzeigen und mittels vorgefertigten Texten kann schnell auf Nachrichten geantwortet werden. Dazu kommen acht Widgets, darunter für das Wetter, den Timer oder die Kamera. Weitere Widgets, unter anderem für WhatsApp und Spotify, sind laut Oppo in Planung und werden zu einem späteren Zeitpunkt nachgereicht. Im Alltag haben sich die gebotenen Widgets jedenfalls als nützlich erwiesen.

Das Wetter-Widget auf dem Oppo Find N2 Flip
Bild: vybe

Das faltbare Innendisplay bringt es auf eine Diagonale von 6,8 Zoll und löst mit 2520 x 1080 Pixel auf. Die maximale Bildwiederholrate von 120 Hertz wird dank LTPO-Technik automatisch zwischen 1 und 120 Hertz reguliert. Vorteil dieser Technik: Es wird weniger Leistung benötigt, was sich wiederum positiv auf die Akkulaufzeit auswirkt. Das HDR10+-zertifizierte Display überzeugt des Weiteren mit einer hohen Helligkeit (bis zu 1600 nits) und einer sehr guten Farbwiedergabe.

Das Oppo Find N2 Flip
Bild: vybe

Etwas gewöhnungsbedürftig ist das schmale 21:9-Seitenverhältnis. Dafür lässt sich das Foldable problemlos auch mit kleinen Händen umfassen, womit die Handhabung deutlich erleichtert wird. Der Formfaktor kann sich allerdings auf jeden Fall sehen lassen. Wie für Clamshell-Phones üblich, ist das Find N2 Flip nicht zu klobig, wiegt nicht besonders viel (191 Gramm) und lässt sich somit sehr gut in der Hosentasche verstauen.

Was besonders (positiv) hervorzuheben ist, ist der Falt-Mechanismus. Das sogenannte Flexionscharnier der zweiten Generation weist zwar weiterhin einen mittigen Falz auf, dieser ist aber deutlich weniger sicht- und spürbar, als bei den Mitbewerber:innen. Zugegeben: Man spürt ihn schon noch, wenn man darüber fährt, und wenn man das Display genau ins Licht hält, ist auch der Falz noch sichtbar. Aber es ist definitiv ein Fortschritt gegenüber dem, was wir von anderen Mitbewerberinnen gesehen haben.

Das Oppo Find N2 Flip in geschlossenem Zustand
Kein Spalt sichtbar | Bild: vybe

Erfreulich auch: Das Find N2 Flip lässt sich ohne sichtbare Lücke zuklappen. Das gelingt Oppo durch den Einsatz eines Waterdrop-Scharniers, das sich beim zuklappen leicht nach aussen bewegt. Übrigens: Über die Robustheit muss man sich beim Find N2 Flip keine Gedanken machen. Der TÜV Rheinland bescheinigt dem Foldable mehr als 400.000 Faltvorgänge. Das entspricht einem 100-maligen Öffnen und Schliessen des Smartphones pro Tag über mehr als zehn Jahre hinweg. Klar, erst Langzeittests werden zeigen, wie gut der Falt-Mechanismus nach längerer Nutzung noch funktioniert.

Oppo Find N2 Flip in geöffnetem Zustand
Auf diesem Bild ist der Falz in der Mitte nicht wirklich sichtbar | Bild: vybe

Was die Verarbeitung anbelangt, da gibt es absolut nichts zu bemängeln. Das Oppo Find N2 Flip fühlt sich durch und durch wie ein Premium-Smartphone an. Was wir uns noch wünschten für das Nachfolgemodell: Eine IP-Zertifizierung. Ja, tatsächlich verfügt das Find N2 Flip keinen ausgewiesenen Schutz gegen das Eindringen von Wasser und Staub.

Die Quick-Settings auf dem Oppo Find N2 Flip
Bild: vybe

Ausstattung, Leistung und Software

Beim Find N2 Flip hat sich Oppo für den MediaTek Dimensity 9000+ Chipsatz entschieden. Wir sprechen hier von einem Chipsatz, der im 4-Nanometerverfahren gefertigt wird und sich leistungstechnisch nicht vor dem Snapdragon 8+ Gen 1 aus dem Vorjahr verstecken muss. Der Arbeitsspeicher beläuft sich auf 8 GB RAM, welcher sich virtuell um weitere 8 GB erweitert lässt. Intern stehen 256 GB zur Verfügung, wobei dieser nicht erweiterbar ist.

Im Alltag hat sich die Kombination aus schnellem Chipsatz und Arbeitsspeicher bewährt. Einzig das Aufstarten nimmt etwas mehr Zeit als gewohnt in Anspruch. Effektiv, dauert es ungewöhnlich lange bis nach Eingabe des PIN- und Gerätecodes das Gerät komplett aufgestartet ist. Ich vermute hier ein Software-Problem, das sich mittels Update einfach lösen lässt. Ansonsten arbeitet das Foldable ruckelfrei, Apps starten schnell und auch Games machen Spass darauf.

Das Oppo Find N2 Flip geöffnet
Bild: vybe

Der Fingerabdrucksensor befindet sich übrigens nicht etwa direkt im Display, sondern ist seitlich im Power-Button integriert. Das macht bei einem Clamshell-Phone, wie es das Oppo Find N2 Flip ist, durchaus Sinn und funktioniert auch tadellos. Die Ausstattung wird durch Bluetooth 5.3, Wi-Fi 6, 5G (NSA + SA) und Stereo-Lautsprecher abgerundet.

Betrieben wird das Find N2 Flip mit ColorOS 13, das auf Android 13 basiert und somit aktuell ist. Was etwas schade ist, ist dass Oppo (noch?) nicht besonders viele hauseigene Apps für das Foldable optimiert hat. Klar, es gibt für das Aussendisplay ein paar Widgets, die wie oben erwähnt ganz gut funktionieren, aber ich hätte mir auch mehr Anpassungen bei den Apps für das grosse Display gewünscht. Da ist Samsung bei ihren Flips softwaremässig weiter.

Apropos Software: Das Oppo Find N2 Flip profitiert von insgesamt vier Jahren grosse Android-Updates. Damit wird das Foldable auch noch das Update auf Android 17 erhalten. Sicherheitspatches garantiert Oppo darüber hinaus sogar während fünf Jahren zu.

Das Oppo Find N2 Flip im Kameramodus
Bild: vybe

Kamera

Es gibt auf der Rückseite (wenn geöffnet) bzw. Vorderseite (wenn geschlossen) eine Dual-Kamera. Die Hauptkamera löst mit 50 Megapixeln auf und stammt von Sony (IMX890). Sie bietet eine 23 mm Breitweite und eine f/1.8-Blende. Ebenfalls von Sony stammt die 8 Megapixel Ultraweitwinkelkamera (IMX355) mit f/2.2-Blende und 16 mm Brennweite. Was dem Find N2 Flip fehlt, ist ein echtes Teleobjektiv für Zoomaufnahmen. Beim Innendisplay ist zudem eine 32 Megapixel Selfiekamera integriert, die jedoch nicht wirklich notwendig ist.

Warum? Nun, für Selfies kann dank dem grossen Display problemlos die Hauptkamera verwendet werden. Das Gerät lässt sich hierfür in den 90-Grad-Winkel biegen und mittels Handgeste wird der Selbstauslöser (3 Sek.) aktiviert. Das funktioniert tadellos. Oppo hat sich noch ein cooles Feature ausgedacht: Wird das Gerät im 90-Grad-Winkel aufgestellt, kann über die Kamera-App das Zweitdisplay aktiviert werden. Die fotografierte Person kann sich so gekonnt auf dem Display in Szene setzen. Der Selbstauslöser funktioniert übrigens auch mit der Selfie-Kamera auf der Innenseite.

Qualitativ liefert die Hauptkamera wenig überraschend die besten Aufnahmen. Das gilt nicht nur für Selfies, sondern generell. Ja, selbst unter schwierigen Lichtverhältnissen holt der Nachtmodus viel aus dem Sensor heraus und zaubert beeindruckende Aufnahmen auf den Bildschirm. Noch bessere Resultate erzielt die Kamera bei Tageslicht. Sie überzeugen mit kräftigen, aber natürlichen Farben (Hasselblad lässt grüssen), einem breiten Dynamikumfang und vielen Details. Mitverantwortlich für die überzeugende Bildqualität dürfte (auch) der hauseigene Bildprozessor MariSilicon X sein.

Oppo Find N2 Flip
Aufnahme mit Hauptkamera | Bild: vybe

Mit Details geizt hingegen die 8 Megapixel-Ultraweitwinkelkamera. Sie kommt qualitativ nicht an die Hauptkamera heran. Für Schnappschüsse bei guten Lichtverhältnissen reicht sie aus. Unter erschwerten Bedingungen würde ich definitiv zur Hauptkamera greifen und halt auf den zusätzlichen Winkel verzichten. Die 32 MP-Selfiekamera, die im Innendisplay als Punch-Hole (Loch im Display) integriert ist, liefert erfreulich detailreiche Aufnahmen.

Ladegerät und Kabel sind im Lieferumfang dabei
Bild: vybe

Akku und Laden

Obwohl wir es mit einem Falt-Smartphone im Clamshell-Formfaktor zu tun haben, ist es Oppo gelungen ein relativ grosser Akku zu verbauen. Der Akku ist mit 4300 mAh nicht nur deutlich grösser als beim Galaxy Z Flip4 (3700 mAh), sondern lädt mit 44 Watt (gegenüber 25 Watt) auch um einiges schneller. In knapp 57 Minuten ist der Akku damit von 0 auf 100% geladen. Was dem Oppo Find N2 Flip indes fehlt, ist Wireless-Charging. Das ist schade und wünschte ich mir definitiv beim Nachfolgemodell.

Die Akkulaufzeit ist gut bis sehr gut. Wir sprechen hier v on einer Laufzeit von bis zu zwei Tagen bei durchschnittlicher Nutzung. Wie immer gilt hier: Die Laufzeit wird extrem stark durch das Nutzungsverhalten beeinflusst.

Oppo Find N2 Flip: Stärken und Schwächen

Das Oppo Find N2 Flip im Selfie-Modus
Bild: Oppo

Das Testfazit zum Oppo Find N2 Flip

In den letzten Jahren hatte ich bereits das eine oder andere faltbare Smartphone in den Händen gehalten. Doch ich muss eingestehen, dass ich seit der ersten Ankündigung im Dezember doch sehr auf das Find N2 Flip gespannt war. Ja, man kann sagen, dass meine Erwartungen an das Foldable durchaus hoch waren. Ob ich enttäuscht wurde? Kurze Antwort: Nein.

Lange Antwort: Ich mag den Clamshell-Formfaktor, wie es Oppo beim Find N2 Flip oder etwa Samsung bei der Galaxy Z Flip-Reihe nutzt. Ich sehe bei diesem Formfaktor viele Vorteile und inzwischen nur noch wenige Nachteile. Oppo ist es beim Find N2 Flip zusätzlich gelungen, die Nachteile des Clamshell-Formfaktors weiterhin zu reduzieren, etwa mit einer guten Akkulaufzeit und dem Einsatz des grossen Aussendisplays.

Und das ist auch gleich der grösste Pluspunkt beim Oppo Find N2 Flip. Das grosse Aussendisplay liefert auf einen Blick viele Informationen und die Widgets stellen einen echten Mehrwert dar. Gespannt sind wir darauf, wie Oppo das Aussendisplay in den nächsten Wochen optimieren wird. Denn bei der Software in Zusammenspiel mit dem faltbaren Display gibt es noch Luft nach oben.

Doch nicht nur das Aussendisplay überzeugt. Beeindruckend ist zweifelsohne auch das fast faltenlose Innendisplay und das lückenlose Design im geschlossenen Zustand. Kamera-technisch konnte mich indes nur die Hauptkamera überzeugen. Die Ultraweitwinkelkamera kann hinsichtlich Farbwiedergabe und Detailreichtum nicht mithalten. Auch fehlt ein Teleobjektiv, wobei das auch bei den Mitbewerber:innen fehlt.

Kurzum: Wer keine Lust auf grosse Smartphones hat, aber dennoch nicht auf ein grosses Display und eine gute Ausstattung verzichten möchte, der sollte sich das Oppo Find N2 Flip auf jeden Fall näher anschauen. Der Formfaktor überzeugt im Alltag und das Gerät lässt sich problemlos in der Hosentasche verstauen. Und ja, Samsung ist jetzt definitiv gefordert.

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