Samsung Galaxy Z Flip4 vs. Oppo Find N2 Flip 1
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Technik Android Foldable Smartphone

Oppo Find N2 Flip vs. Samsung Galaxy Z Flip4: Vergleich der Clamshell-Phones

Bruno Rivas
Bruno Rivas

Seit Ende Februar mischt Oppo bei den faltbaren Smartphones auch in Europa aktiv mit. Mit dem Find N2 Flip hat es der chinesische Hersteller insbesondere auf das Samsung Galaxy Z Flip4 abgesehen. Es bieten sich deshalb an, die Clamshell-Smartphones miteinander zu vergleichen. Kann das Oppo Find N2 Flip dem bisherigen “Clamshell-König” von Samsung das Wasser reichen? Ein Vergleich!

Zu den ausführlichen Testberichten:

Aussehen und Verarbeitung

Nein, Oppo hat mit dem Find N2 Flip das Rad nicht neu erfunden. Der Aufbau ist mehr oder weniger identisch zum Galaxy Z Flip4 von Samsung. Das ist nicht schlecht, schliesslich hat sich dieser bei Samsung über die letzten Jahre bewährt. Doch Oppo verfolgt beim Scharnier einen anderen Ansatz, was gleich für zwei Vorteile sorgt: Im geschlossenem Zustand schliesst das Oppo fast vollständig bündig und weist deshalb keinen Spalt auf. Zudem ist der mittige Displayfalt beim Find N2 Flip weniger ausgeprägt, als beim Galaxy Z Flip4.

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Im Vergleich zum Galaxy Z Flip4, ist das Find N2 Flip allerdings leicht grösser und dicker. Das hat seine Gründe. Ein Grund ist zweifelsohne das viel grössere, hochkantig angebrachte Aussendisplay. Damit lässt sich das Oppo-Phone gleich auf den ersten Blick vom Galaxy Z Flip4 von Samsung unterscheiden. Weitere Gründe für das grössere Gehäuse: Der üppiger dimensionierte Akku und ein faltbares Innendisplay, das in meinen Augen ein besseres Seitenverhältnis bietet.

Was mich etwas verwundert hat, ist, dass das Oppo Find N2 Flip über keinen offiziellen Schutz gegen das Eindringen von Wasser bietet. Da hat Samsung beim Galaxy Z Flip4 einen besseren Job gemacht und bietet immerhin eine IPX8-Zertifizierung an. Damit ist das Samsung-Foldable immerhin gegen das Eintauchen in Wasser geschützt. Das Find N2 Flip muss ganz ohne “offizielle” Zertifizierung auskommen. Wer sein nächstes Foldable also auch im Regen nutzen möchte, sollte eher zu Samsung greifen.

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Keine Unterschiede sind bei der Materialwahl auszumachen: Beide Hersteller setzen auf einen Aluminiumrahmen und auf Glas an der Aussenseite. An der Wertigkeit und bei der Verarbeitung können wir keine nennenswerten Unterschiede ausmachen. Oder anders gesagt: Beide Foldables sind in diesem Punkt durch und durch “Premium”. Farbentechnisch sieht es bei Samsung besser aus: In Europa verkauft der südkoreanische Hersteller sein Flip in den Farben Blue, Bora Purple, Graphite und Pink Gold an. Das Find N2 Flip gibt es “nur” in Astral Black und Moonlit Purple.

Aussen- und Innendisplay

Wie schon oben erwähnt, hebt sich Oppo mit dem viel grösseren Aussendisplay klar und deutlich von Samsung (und auch den anderen Mitbewerber:innen) ab. Das Oppo Find N2 Flip verfügt über ein rechteckiges und hochkantiges 3,26 Zoll  AMOLED-Display mit einer Auflösung von 382 x 720 Pixel. Bei Samsung gibt es ein deutlich kleineres, horizontales 1,9 Zoll Display mit 260 x 512 Pixel.

Zwar können auch bei Samsung auf dem kleinen Aussendisplay diverse kleine Widgets verwendet werden, doch so richtig warm wurde ich damit nicht. Ganz anderes beim Oppo Find N2 Flip: Das grosse Aussendisplay sorgt dafür, dass das Gerät nicht immer aufgeklappt werden muss. So kann etwa eine Nachricht komplett auf dem Aussendisplay angezeigt werden. Mittels vorgefertigten Textbausteinen lässt sich sogar recht schnell darauf antworten. Hinzu kommen nützliche Widgets dazu, die laut Oppo künftig noch erweitert werden. In Planung sind bereits Widgets für Spotify und WhatsApp. Übrigens, auch für Selfies bietet sich das viel grössere Aussendisplay beim Oppo mehr an.

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Links: Oppo Find N2 Flip / Rechts: Samsung Galaxy Z Flip4 | Bild: vybe

Werfen wir einen Blick auf das faltbare Innendisplay beider Modelle. Die technischen Facts lesen sich wie folgt:

Oppo Find N2 FlipSamsung Galaxy Z Flip4
Diagonale6,8 Zoll6,7 Zoll
Auflösung2520 x 1080 Pixel2640 x 1080 Pixel
Seitenverhältnis21:922:9
Bildwiederholratebis zu 120 Hzbis zu 120 Hz
Helligkeitbis zu 1600 nitsbis zu 1200 nits

Alle Angaben ohne Gewähr.

Wer jetzt nicht so viel mit den technischen Daten anfangen kann, kein Problem. Wir schlüsseln das “Fachchinesisch” auf. Bei der Grösse, also der Diagonale, gibt es marginale Unterschiede. Nicht einmal im direkten Vergleich fällt das minim grössere Display des Find N2 Flip auf. Was hingegen auffällt, ist das Seitenverhältnis. Beide Foldables verfügen über schmalere Displays als bei den meisten anderen Smartphones. Das Samsung-Flip ist jedoch nochmals etwas schmaler als das Oppo.

Beide faltbare Displays erreichen eine FHD+-Auflösung. Aufgrund des schmaleren Seitenverhältnisses beim Galaxy Z Flip4 ergibt sich eine leicht höhere Auflösung, die im Alltag aber nicht ins Gewicht fällt. Gleich ist auch die maximale Bildwiederholrate von 120 Hz. Auch verstehen sich beide faltbaren Handys mit dem HDR10+-Standard, womit man sich auf eine besonders gute Bildqualität bei Filmen und Serien freuen darf.

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Auf dem Oppo Find N2 Flip werden mehr Benachrichtigungen dargestellt | Bild: vybe

Einen Unterschied gibt es bezüglich der maximalen Helligkeit: So erreicht das Oppo-Display eine Helligkeit von bis zu 1600 nits und ist damit etwas heller, als das Samsung-Display mit 1200 nits. Doch keine Angst: Beide Displays sind mit über 1000 nits sehr hell und können unter allen Bedingungen noch abgelesen werden – also auch im Freien.

Last but not least wäre da noch der mittige Falt, der bei Oppo tatsächlich deutlich weniger ausgeprägt ist. Das ist schon ziemlich beeindruckend, wie das Oppo hingekriegt hat und lässt zu hoffen, dass Samsung beim Nachfolger über die Bücher geht.

Samsung Galaxy Z Flip4 vs. Oppo Find N2 Flip 10
Samsung Galaxy Z Flip4 vs. Oppo Find N2 Flip 10

Leistung und Ausstattung

Sowohl im Oppo Find N2 Flip, als auch im Samsung Galaxy Z Flip4 steckt ein leistungsfähiger High-End-Chipsatz. Samsung vertraut auf das Know-how von Qualcomm und setzt deshalb auf den Snapdragon 8+ Gen 1. Das ist der Flaggschiff-Chipsatz von Qualcomm, der Mitte 2022 vorgestellt wurde. Oppo hingegen, arbeitet etwas überraschend mit MediaTek zusammen. Im Oppo Find N2 Flip gibt es den Dimensity 9000+, der leistungstechnisch dem Qualcomm Snapdragon 8+ Gen 1 in nichts nachsteht.

In China bietet Oppo das Find N2 Flip in verschiedenen Speichervarianten an. In der Schweiz sieht die Sache anderes aus. Tatsächlich steht nur die Variante mit 8 GB RAM und 256 GB interner Speicherplatz in Europa zur Auswahl. Etwas mehr Spielraum gewährt Samsung. Der Arbeitsspeicher beläuft sich zwar auch immer auf 8 GB RAM, allerdings stehen Speichervarianten mit 128, 256 und 512 GB zur Auswahl. Eine Speichererweiterung mittels preiswerter microSD-Karte ist bei beiden Modellen nicht möglich.

In unserem Test hinterliessen bei den Chipsätzen einen erstklassigen Eindruck. Die Foldables lassen sich flüssig und ohne Ruckler bedienen – genau so, wie man das von einem High-End-Smartphone erwartet. Auch die Wärmeentwicklung scheinen beide Chipsätze gut im Griff zu haben, sodass auch längere Gaming-Sessions mit der vollen Leistung möglich sind.

Oppo Find N2 FlipSamsung Galaxy Z Flip4
ChipsatzMediaTek Dimensity 9000+Qualcomm Snapdragon 8+ Gen 1
Arbeitsspeicher 8 GB RAM8 GB RAM
Speicherplatz256 GB (Europa)128, 256 und 512 GB
Dual-SIM

Alle Angaben ohne Gewähr.

Kamera

Bei der Kamera setzen beide Hersteller auf ein sehr ähnliches Setup. Beide Geräte sind mit einer Hauptkamera, einer Ultraweitwinkelkamera und einer zusätzlichen Selfiekamera beim Innendisplay ausgestattet. Während Samsung für die Hauptkamera und Ultraweitwinkelkamera auf je einen 12 MP-Sensor setzt, kommt bei Oppo als Hauptkamera ein hochauflösender 50 MP-Sensor und eine 8 MP-Ultraweitwinkelkamera zum Einsatz.

Was die Kamera im Detail leisten, kann hier (Oppo Find N2 Flip) bzw. hier (Samsung Galaxy Z Flip4) im Detail nachgelesen werden. Die Kurzfassung: Das Oppo Find N2 Flip bietet eine qualitativ sehr gute Hauptkamera – auch unter schwierigen Lichtverhältnissen. Da kann die 8 MP-Ultraweitwinkelkamera nicht mithalten, die vor allem bei wenig Licht mit Problemen zu kämpfen hat. Ausgewogener ist das Kamera-Setup im Galaxy Z Flip4, deren Ultraweitwinkelkamera ebenbürtig zur guten Hauptkamera ist.

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Wer mit seinem (künftigen) Smartphone oft Videos produzieren möchte, der könnte etwas mehr Gefallen am Galaxy Z Flip4 finden. Warum? Nun, nur das Samsung Galaxy Z Flip4 unterstützt 4K-Videos mit bis zu 60 fps und FHD-Videos mit bis zu 240 fps (Super-Slow). Das Oppo Find N2 Flip erreicht maximal 30 fps bei 4K- bzw. 60 fps bei FHD-Auflösung.

Mit 32 MP steckt im Oppo eine Selfiekamera mit mehr Megapixeln als im Samsung mit 10 MP. Allzu stark sollte die Selfie-Kamera aber nicht gewichtet werden, da bei beiden Modellen problemlos die Haupt- und Ultraweitwinkelkamera für Selfies genutzt werden können.

Oppo Find N2 FlipSamsung Galaxy Z Flip4
Hauptkamera50 MP, f/1.8-Blende12 MP, f/1.8-Blende
Ultraweitwinkelkamera8 MP, f/2.2-Blende12 MP, f/2.2-Blende
Selfiekamera32 MP12 MP
Videoaufnahme4K@30fps / FHD@30fps4K@60fps / FHD@120fps (Super-Slow)

Alle Angaben ohne Gewähr.

Akku und Laden

Beim Akku hat das Oppo die Nase vorne. Den Chinesen ist es gelungen, in einem Clamshell-Phone einen vergleichsweise grossen 4300 mAh Akku zu integrieren. Bei Samsung fällt die Kapazität mit 3700 mAh deutlich geringer aus. Somit ergibt sich im Alltag eine bessere Akkulaufzeit beim Oppo-Foldable. Fairerweise muss man sagen, dass aber auch Samsung beim Galaxy Z Flip4 erhebliche Fortschritte gegenüber dem Vorgängermodell Galaxy Z Flip3 gemacht hat.

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Ist der Akku mal leer, lädt er sich bei Samsung mit maximal 25 Watt. Das entsprechende Netzteil dafür hat man entweder zu Hause herumliegen oder man muss es sich zusätzlich kaufen. Im Lieferumfang befindet sich nämlich keines. Ganz im Gegenteil, bei Oppo: Der chinesische Hersteller liefert seine Smartphones weiterhin mit den passenden Netzteilen aus. Beim Find N2 Flip liegt ein 44 Watt SuperVOOC-Schnellladegerät bei.

Einen Vorteil für Samsung gibt es in puncto Akku und Laden zum Schluss dann doch noch: Nur das Samsung lässt sich auch kabellos aufladen. Bei Oppo fehlt diese Möglichkeit gänzlich, was schade ist.

Oppo Find N2 FlipSamsung Galaxy Z Flip4
Akku4300 mAh3700 mAh
Schnellladen44 Watt25 Watt
Wireless-Charging
Netzteil+Kabel im Lieferumfang

Alle Angaben ohne Gewähr.

Software

Oppo hat auf dieses Jahr hin seine Update-Politik nochmals verbessert. Das Oppo Find N2 Flip ist das erste Smartphone, das davon profitiert. Wie bei Samsung wird auch das Find N2 Flip während ganzen vier Jahren mit grossen Android-Updates versorgt. Sicherheitspatches gibt es während fünf Jahren. Damit zieht Oppo mit Samsung gleich. Allerdings muss Oppo zunächst beweisen, dass sie ihre Versprechen auch einhalten. Zudem ist Samsung inzwischen extrem schnell mit der Verteilung von Updates, was wir von Oppo nicht behaupten können.

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Bei Smartphones laufen mit dem aktuellen Android 13 | Bild: vybe

Beide Geräte werden ab Werk mit dem aktuellen Android 13 ausgeliefert. Bei Samsung kommt One UI und bei Oppo das sogenannte ColorOS zum Einsatz. Bei Samsung merkt man bei der Software, dass man schon länger Foldables für den Massenmarkt produziert. Es sind ganz einfach deutlich mehr Apps für das faltbare Display optimiert. Da hat Oppo noch Nachholbedarf, wobei uns die bisher verfügbaren Widgets für das Aussendisplay durchaus gefallen.

Oppo Find N2 FlipSamsung Galaxy Z Flip4
BetriebssystemAndroid 13 (ColorOS 13)Android 13 (Samsung OneUI 5.1)
Update-Garantie4 Jahre grosse Updates, 5 Jahre Sicherheitspatches4 Jahre grosse Updates, 5 Jahre Sicherheitspatches

Alle Angaben ohne Gewähr.

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Fazit: Ein Kopf-an-Kopf-Rennen

Letztendlich ist es ein Kopf-an-Kopf-Rennen der beiden Foldables. Für das Oppo-Smartphone spricht zweifelsohne das grosse Aussendisplay, das mit den gebotenen Widgets einen echten Mehrwert darstellt. Dieser Vorteil könnte aber schon sehr bald verpuffen, denn Samsung plant Gerüchten zufolge für das Galaxy Z Flip5 (Nachfolger) ebenfalls ein viel grösseres Display (3 oder mehr Zoll).

Doch nicht nur das grosse Aussendisplay stellt einen Vorteil gegenüber dem letztjährigen Samsung Galaxy Z Flip4 dar. Auch der grössere Akku samt der viel schnelleren Ladezeit darf und soll an dieser Stelle nicht unerwähnt bleiben. Im Test hat sich das Find N2 Flip in puncto Akku auf jeden Fall sehr gut geschlagen. Da kann Samsung mit dem vergleichsweisen kleinen Akku schlichtweg nicht mithalten. Dafür bietet nur das Foldable von Samsung auch kabelloses Laden. Vermutlich hat es im Oppo einfach keinen Platz mehr dafür gehabt.

Wer seine Smartphones öfters bei nassen Bedingungen nutzt, der sollte zum Flip von Samsung greifen. Nur das Samsung-Foldable bietet einen ausgewiesenen Schutz gegen das Eindringen von Wasser. Bei Oppo fehlt dieser Schutz – zumindest gibt es keine offizielle Zertifizierung. Bei der Software sehen wir Samsung (noch) im Vorteil. Zwar bieten beide Hersteller hinsichtlich Update-Versprechen gleich viel, bei Samsung ist die Software aber besser optimiert.