Samsung Galaxy S10 im Test – das beste Galaxy aller Zeiten, aber etwas fehlt

Über zwei Milliarden Galaxy-Smartphones konnte Samsung in den letzten 10 Jahren verkaufen – das spricht für die Galaxy-Reihe. Den Grundstein für diesen beachtlichen Erfolg legte Samsung mit der Galaxy S-Reihe im Jahr 2009. Vor ziemlich genau 10 Jahren hat Samsung das erste Galaxy S auf den Markt gebracht, welches auch ich damals im Einsatz hatte.

Mit dem Galaxy S aus dem Jahr 2009 haben die drei neuen Galaxy S10-Modelle nur wenig gemeinsam. Ja, es hat sich in den letzten zehn Jahren bei den Smartphones so einiges getan – zum Glück! Das bezieht sich auf den Smartphone-Markt generell. Lange hatte Samsung bei der Galaxy S-Reihe kaum Konkurrenz, das hat sich inzwischen stark geändert. Insbesondere die chinesischen Hersteller setzen die Südkoreaner an allen Fronten unter Druck – allen voran Huawei.

Huawei hat im letzten Jahr unbestritten den Takt vorgegeben und gezeigt, was technisch bei Smartphones möglich ist. Samsung war mit dem Galaxy S9 und Galaxy Note9 eher zurückhaltend unterwegs. Die Erwartungen an das „Jubiläums-Smartphone“ Galaxy S10 sind hoch, ja sogar sehr hoch. Doch kann Samsung den Erwartungen gerecht werden?

Ziemlich genau drei Wochen hat mich das neue Flaggschiff-Smartphone Samsung Galaxy S10 im Alltag begleitet und gerne beantworte ich euch diese wie auch viele weitere Fragen. Falls eine Frage trotzdem nicht beantwortet wurde, meldet euch einfach in den Kommentaren.

Samsung Galaxy S10: Die technischen Daten

  • Display: 6,4 Zoll AMOLED 3040 x 1440 Pixel / 526 PPI
  • Prozessor/GPU: Exynos 9820 Octa-Core / Mali-G76 MP12
  • Speicher: 8 GB RAM / 128 GB UFS 3.1 Speicher
  • Betriebssystem: Android 9 Pie mit Samsung One UI
  • Hauptkamera: Telephoto: 12MP PDAF, F2.4, OIS (45°) / Wide-angle: 12MP Super Speed Dual Pixel AF, F1.5/F2.4, OIS (77°) Ultra Wide: 16MP FF, F2.2 (123°)
  • Frontkamera: 10MP Dual Pixel AF, F1.9 (80°)
  • Anschlüsse: USB Typ C (USB 3.1), 3,5 mm Klinkenanschluss
  • Verbindungen: LTE Cat. 20, NFC, WiFi 6 (Dual-Band), GPS, Bluetooth 5.0
  • Dual-SIM: Ja und/oder microSD-Slot
  • Akku: 4100 mAh
  • Wireless-Charging: Ja (inkl. Wireless PowerShare)
  • Abmessungen: 149,9 x 70,4 x 7,8 Millimeter
  • Gewicht: 157 Gramm
Samsung Galaxy S10
Das befindet sich im Lieferumfang.

Design und Verarbeitung
Samsung hat mir ein paar Wochen vor dem offiziellen Marktstart das Galaxy S10 in Prism White bereitgestellt. Ehrlich gesagt war ich etwas skeptisch was diese Farbvariante betrifft, was sich aber sehr schnell relativiert hat. Nein, die neue Farbvariante sieht tatsächlich verdammt schön aus! Je nach Reflexion schimmert das Gerät blau / rosa – fast wie eine Perle. Schade nur, dass die meisten Nutzer eine Schutzhülle anbringen.

Wenn wir schon bei der wunderschönen Rückseite sind, da gibt es „nur“ noch die leicht aus dem Gerät ragende Triple-Kamera. Bekanntlich hat Samsung den Fingerabdrucksensor beim Galaxy S10 und Galaxy S10+ nun direkt in das Display verfrachtet. Samsung setzt dafür einen Ultraschall-Sensor ein, womit sich dieser grundlegend von den optischen Sensoren unterscheidet, die unter anderem von Huawei eingesetzt werden. Ob diese Technologie besser ist? Das gibt’s weiter unten.

Was das Design an sich betrifft, hat sich nicht soooo viel gegenüber den beiden Vorgängern Galaxy S8 und Galaxy S9 getan – zumindest wenn das Display ausgeschaltet ist. Das Gerät erinnert unweigerlich an die beiden Vorgänger. Schlecht ist das nicht, überhaupt nicht. Ich mag das Design der Galaxy-Smartphones. Es widerspiegelt aber nicht unbedingt den grossen Fortschritt den man sich vielleicht vom Galaxy S10 erhofft hat.

Samsung Galaxy S10
Yep, der Metallrahmen ist in Chrom gehalten.

Samsung färbt den Metallrahmen beim Modell in Prism White in glänzendem Silber ein, was mir sehr gut gefällt. Am Rahmen ist rechts der Power-Button zu finden, der für meinen Geschmack etwas zu hoch angebracht ist. Gegenüberliegend haben wir die Lautstärke-Wippe und.. Überraschung… den Bixby-Button! Doch Entwarnung: Dieser lässt sich auf Wunsch anpassen.

Unten gibt es den USB C-Anschluss (USB 3.1), ein Mikrofon und Lautsprecher. Zudem verbaut Samsung als einer der wenig überbleibenden Hersteller beim Galaxy S10 weiterhin einen 3,5 mm Klinkenanschluss. Das dürfte vor allem Nutzer freuen, die auch weiterhin ihre kabelgebundenen Kopfhörer nutzen möchte. Oben befindet sich der SIM-Schacht und ein Mikrofon. Eine Benachrichtigungs-LED gibt es leider nicht mehr.

Die Übergänge vom Display bzw. von der Rückseite zum Metallrahmen sind abgerundet. Das Galaxy S10 liegt damit und in Verbindung mit dem angenehmen Gewicht von 157 Gramm ausgesprochen gut in der Hand. Weiterhin ist das Galaxy S10 mit einer IP68-Zertifizierung versehen, womit es bis zu einem gewissen Grad wasser- und staubdicht ist.

Samsung Galaxy S10
Einer von vielen, witzigen Wallpaper.

Die Vorderseite stellt eines der Highlights des neuen Galaxy S10 dar. Mit einer Screen-to-Body-Ratio von nahezu 93 Prozent, bekommt man diesmal bei Samsung ganz schön viel Display, das übrigens ab Werk mit einer Displayfolie geschützt wird. Eine (breite) Notch, wie wir sie bei vielen Smartphones im 2018 gesehen haben, gibt es nicht. Dafür setzt Samsung auf ein sogenanntes Punch-Hole bzw. Kameraloch. Im Gegensatz zum Honor View 20, ist das Loch rechts.

Im Alltag stört das Kameraloch nicht und man gewöhnt sich sehr schnell dran. Wenn ich mich zwischen einer (fetten) Notch und dem Loch entscheiden müsste, würde ich mich wohl für das Loch entscheiden. Ob es die perfekte Lösung darstellt? Nein, das nicht, aber es ist ein frischer Wind und mal etwas anders als eine Notch. Im letzten Jahr hat praktisch jedes Smartphone vorne genau gleich ausgesehen.. ja das Kameraloch ist definitiv eine willkommene Abwechslung und eignet sich so nebenbei erwähnt besonders gut für witzige Wallpaper. 🙂

Wie bei Samsung schon länger üblich, lässt die Verarbeitung keine Wünsche übrig. Alles sitzt bombenfest, nichts knarzt und es gibt keine unschönen oder unregelmässigen Spaltmasse. Ausgezeichnet, mehr gibt es zu diesem Punkt nicht zu sagen.

Samsung Galaxy S10
.. und noch ein weiterer Wallpaper, der das Kameraloch perfekt „versteckt“.

Display
Das „Prädikat“ ausgezeichnet verdient sich auch das verbaute 6,1 Zoll Super-AMOLED-Display mit QHD+ Auflösung. Die Spezialisten von DisplayMate sprechen wie schon in den vielen Jahren zuvor vom besten Smartphone-Display. Der südkoreanische Hersteller übertrifft sich in dieser Disziplin augenscheinlich Jahr für Jahr gleich selbst.

Ob das Galaxy S10 jetzt so viel besser als das im Galaxy S9 oder auch das vom Huawei Mate 20 Pro ist, kann ich ehrlich gesagt nicht wirklich beurteilen. All diese Smartphones haben in meinen Augen (höhö) ein ausgezeichnetes Display verbaut. Der Unterschied fällt vermutlich nur unter Laborbedingungen auf. Ich kann nur sagen, dass das Galaxy S10 ein Display mit tollen Farben und Kontrasten, sehr guter Blickwinkelstabilität und natürlich ein tiefes Schwarz überzeugen kann. Hinzu kommt eine sehr hohe Helligkeit – alles in allem also ein ausgezeichnetes OLED-Display.

Wie bei Samsung üblich, ist die Auflösung ab Werk auf FHD+ eingestellt und das hab ich, bis auf einen kurzen Test, so auch belassen. Ich konnte so nebenbei erwähnt keinen Unterschied zwischen FHD und QHD erkennen. Einen Unterschied ist dafür bei den verschiedenen Farbmodi zu erkennen, die in den Systemeinstellungen ausgewählt werden können. Ausgeliefert wird das Galaxy S10 übrigens auf dem Modi „Natürlich“  und nicht wie bisher auf „Lebendig“.

Samsung Galaxy S10
Welcher Farbmodi soll es sein?

Noch ein paar weitere Worte zum Loch oben rechts. Im Vergleich zum Honor View 20 sieht das Loch beim Galaxy S10 einfach besser oder anders gesagt, irgendwie sauberer aus. Könnte auch damit zu tun haben, dass das View 20 ein LCD- und das Galaxy S10 ein AMOLED-Panel verbaut hat. Und wie schon erwähnt, bei der Nutzung im Alltag fällt das Loch nicht negativ auf.

So und jetzt noch zum typischen Problem der abgerundeten Seiten. Die abgerundeten Seiten spiegeln teilweise, was dann eine direkte Auswirkung auf die Farbwiedergabe an dieser Stelle hat. Nicht extrem tragisch, aber trotzdem halt ein kleiner Makel. Ehrlich gesagt würde ich den abgerundeten Seiten bzw. dem Edge-to-Edge-Display von Samsung nicht wirklich nachtrauern..

Samsung Galaxy S10
Ach.. ich kann es nicht lassen. Hab dich!

Hardware, Performance und Benchmark
Das Galaxy S10 wird in Europa mit dem hauseigenen Exynos 9820-SoC ausgeliefert, der erstmals eine NPU (Neural Processing Unit) für KI-Aufgaben integriert hat. Im Gegensatz zum Qualcomm Snapdragon 855 oder HiSilicon Kirin 980, die beide im 7-Nanometer-Verfahren gefertigt werden, hat sich Samsung für das 8-Nanometer-Fertigungsverfahren entschieden. Ein Nachteil?

Nein, überhaupt nicht. Das Smartphone ist pfeilschnell unterwegs und lässt hinsichtlich Performance absolut keine Wünsche übrig. Apps öffnen sich in der Regel ohne Verzögerungen und Multitasking beherrscht das Gerät dank dem 8 GB Arbeitsspeicher einwandfrei. Ich muss aber erwähnen, dass die zusätzliche Performance der neuen Hardware nicht wirklich spürbar ist – zumindest im Alltag nicht. Aktuelle Highend-Smartphones bieten mittlerweile alle eine hervorragende Performance – die Unterschiede sind minimal.

Spürbar bzw. ersichtlich ist die zusätzliche Performance in den verschiedenen Benchmarks. Ja, hier lässt sich ein Geschwindigkeitszuwachs erkennen. Und ja, das Galaxy S10 lässt in den Benchmarks seine Muskeln spielen und erreicht im AnTuTu und Geekbench sehr gute Resultate – die besser sind als die vom Huawei Mate 20 Pro. Wirklich spürbar ist dieser Unterschied wie erwähnt jedoch nicht. Folgend die Benchmark-Resultate vom Galaxy S10 im Vergleich mit dem Galaxy Note9 (rechts):

Ach ja, mit dem Galaxy S10 lassen sich alle aktuellen Games wiedergeben – mit allen Details und so. Asphalt 9, PUBG Mobile & Co. laufen absolut flüssig, lassen das Gerät aber spürbar warm werden – wie auch die beiden oben genannten Benchmarks. So heiss, wie dazumal das Galaxy S2, wird das Galaxy S10 glücklicherweise nicht. 🙂

Samsung Galaxy S10
Das Kameraloch stört auch bei einer Runde Asphalt 9 im Zug nicht..

Ultraschall-Fingerabdrucksensor – gut, aber nicht sehr gut
Hmm, ich bin etwas hin und her gerissen vom ersten Ultraschall-Fingerabdrucksensor im Display. Fakt ist, er ist deutlich sicherer als die optischen Sensoren, die von anderen Herstellern wie Huawei oder OnePlus eingesetzt werden. Aber ehrlich gesagt habe ich mir etwas mehr vom weltweit ersten Smartphone mit dieser Technologie erhofft.

Samsung Galaxy S10
Scannen des Fingerabdrucksensors.

Manchmal funktioniert der Sensor gut, dann wiederum lässt die Geschwindigkeit und auch Erkennungsrate zu wünschen übrig. Wirklich reproduzieren kann ich nicht, warum es mal besser und mal schlechter funktioniert. Eins kann ich jedenfalls sagen, ein klassischer Fingerabdrucksensor ist weiterhin schneller und halt einfach besser.

So gut wie auf dem folgenden GIF, hat es leider nicht immer funktioniert…

Software
Wie es sich für ein 2019er Flaggschiff-Smartphone gehört, wird das Galaxy S10 direkt ab Werk mit Android 9 Pie ausgeliefert. Nach der Inbetriebnahme wurde gleich das erste Software-Update zum Download angeboten, mit dem einige Verbesserungen vorgenommen werden und der Android-Sicherheitspatch vom Februar 2019 installiert wird.

Irgendwann gegen Ende des letzten Jahres hat Samsung die neue Oberfläche One UI angekündigt. Samsung orientiert sich damit stärker an Stock-Android und möchte insbesondere die Bedienung deutlich erleichtern. Wie ich finde ist das Samsung richtig gut gelungen. Über das Design lässt sich streiten, aber was die Bedienung anbelangt, da macht Samsung diesmal fast alles richtig.

Samsung hat nach all den Jahren endlich etwas aus meiner Sicht grundlegendes verstanden: Die Bedienelemente werden durchs Band am unteren Drittel des Displays dargestellt. Das erleichtert die Bedienung und entlastet meinen Daumen im Alltag ungemein. Ja, bei Samsung hat sich endlich jemand wirklich Gedanken zur Benutzeroberfläche gemacht, die in den letzten Jahren immer wieder gerne kritisiert wurde. Ich sage nur TouchWiz..

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