Sony WF-1000XM4 im Test: An diesen Kopfhörern muss sich die Konkurrenz messen

Sony hat seine neuen In-Ears am Start und will mit den WF-1000XM4 beweisen, dass man die besten Kopfhörer im Portfolio hat. Ich durfte sie rund einen Monat ausgiebig testen und muss sagen: Wow!

Design: Hallo, ihr Hübschen

Sony WF-1000XM4 Kopfhörer im Test: Verpackung geöffnet.
Die Verpackung ist äusserst kompakt. | Bild: vybe

Die WF-1000XM4 sind optisch, wenn man sie mit dem Vorjahresmodell vergleicht, ein wahrer Quantensprung. Weg ist die etwas seltsame Form der In-Ears. Ja, auch die XM4 sehen etwas speziell aus, mit dem bronzefarbenen Element, das an den hinteren Teil einer Patronenhülse erinnert. Aber mir gefällt es. Insgesamt wirken die Kopfhörer mit dem grossen Touchbedienfeld organischer, schöner.

Das Case ist endlich kein Schlag-mich-tot-Gegenstand mehr, sondern ist wesentlich kompakter geworden. Sony sagt, dass es 40 Prozent kleiner ist. Ob das stimmt, weiss ich nicht, aber nun passen die Sony-Kopfhörer auch locker in die Hosentasche und lassen noch Platz für anderes übrig. Sehr gefallen, beim Case und den Kopfhörern, hat mir ausserdem, dass Sony ein mattes Schwarz verwendet und nicht auf den Hochglanzpianolack setzt, den man oft bei anderen Herstellern sieht.

Sony WF-1000XM4 Kopfhörer im Test: das Gehäuse mit In-Ears drin.
Die Kopfhörer sind übrigens IPX4-zertifiziert und halten damit auch Regen stand. Untertauchen solltest du sie aber nicht. | Bild: vybe

Insgesamt sind die WF-1000XM4 optisch gelungene Kopfhörer, die sich mit dem «Patronenhülsen-Design» einen eigenständigen Weg gehen, statt einfach nur die Konkurrenz nachzuahmen.

Tragekomfort: Als hätte man Ohropax im Gehörgang

Hier haben mich die WF-1000XM4 überrascht. Statt 0815-Gummiaufsätzen gibt es weichen Polyurethan-Schaumstoff, der sich zusammendrücken lässt und wieder expandiert. Du kannst es dir wie Ohropax vorstellen, die häufig auch aus PU-Schaumstoff hergestellt werden. Dadurch, dass die Schaumstoffaufsätze nach dem Zusammendrücken im Ohr wieder expandieren, sollen sie dieses besser abdichten. Ausserdem sind sie auch sehr angenehm zu tragen und durch die etwas poröse anmutende Oberfläche flutschen sie auch nicht gleich zu tief in den Gehörgang rein. Das hat allerdings auch zur Folge, dass du die Kopfhörer zu Beginn mit etwas mehr Druck ins Ohr drücken musst. Ich habe daher anfangs etwas gebraucht, um einen bequemen Sitz zu finden. Hat man den Dreh dann aber raus, sitzen die WF-1000XM4 angenehm und fest im Ohr und zwicken auch nach mehreren Stunden nicht.

Sound und ANC sind exzellent

Dass die Grösse eines Treibers nicht alles ist, zeigt Sony mit den WF-1000XM4. Obwohl beispielsweise Huawei grössere Treiber bei seinen In-Ears verbaut hat, holt Sony mehr aus seinen scheinbar kleinen 6 Millimetertreibern raus. Egal, ob Höhen oder Bässe, die XM4 meistern diese souverän und geben insgesamt ein sehr schönes Klangbild ab. Während sie bei Laserkraft 3Ds «Weightless» die Bässe schön tief und satt wiedergegeben, entführen sie mich beim «Herr der Ringe»-Stück «The Shire» mit feinem und nuancierten Klängen in meine liebste Fantasy-Welt. Und selbst mit der Gitarre von Avril Lavignes «Sk8ter Boi», an der viele In-Ears scheitern, kommt der WF-1000XM4 zurecht.

Sony WF-1000XM4 Kopfhörer im Test: mit Micro.
Bild: vybe

Abgerundet wird das Hörerlebnis (ich kann es nicht anders formulieren) von einer Geräuschunterdrückung, die Sonys führende Position in diesem Bereich unterstreicht. Egal, ob neben der dicht befahrenen Hauptstrasse, im Zug oder im Flugzeug: Ist das ANC an, ist angenehme Ruhe. Klar, auch die WF-1000XM4 sind noch immer In-Ears und vollbringen keine Wunder. Wenn einer mal den Motor so richtig aufheulen lässt oder ein Kind in etwas höheren Tönen kreischt, lassen auch die WF-1000XM4 mal einen Ton durch. Aber wer unter anderem laute Nachbarn hat, kann sich mit den XM4 angenehme Ruhe verschaffen. Sass ich zu Hause in meinem Büro, konnte meine Freundin hinter mir stehen und mit mir Reden, ohne, dass ich es gemerkt hätte.

Damit man trotz ANC mit seiner Umwelt interagieren kann, gib es einen Ambient Mode, der mehr Geräusche durchlässt. In diesem Modus kann man problemlos mit anderen Personen reden und diese verstehen. Für den Musikgenuss oder auch Hörbücher ist dieser Modus aber etwas unschön, da ein gewisses Grundrauschen zu hören ist. Viel besser ist da die Funktion Speak-to-Chat, die man in der Headphones-App aktivieren kann. Fängt man dann an zu sprechen, wird die Wiedergabe zuverlässig pausiert. Hört man auf zu reden, warten die WF-1000XM4 in der Standardeinstellung 15 Sekunden, bevor die Wiedergabe fortgesetzt wird. Der einzige Nachteil daran – wenn man so will – ist, dass die Wiedergabe andauernd pausiert wird, wenn man zu Selbstgesprächen oder Mitsingen neigt. Anlasten kann man das den Kopfhörern aber nicht.

Bedienung und Software: Mehr geht kaum

Bleiben wir noch kurz bei der Software. Verbindest du die Kopfhörer mit Sonys Headphone-App, eröffnen sich dir gefühlt eine Welt von unendlichen Einstellungsmöglichkeiten. Wer bereits zuvor einen Sony-Kopfhörer hatte, kann sein Sound-Profil importieren – vorausgesetzt, man hat es online gespeichert. In der App selbst kann man zwischen drei Tabs wählen:

  • Status: Hier kannst du die Musik steuern und siehst den Status der adaptiven Geräuschunterdrückung (mehr dazu später).
  • Sound: Hier kannst du den Equalizer einstellen, deine Ohrform für besseren Klang vermessen oder 360° Reality Audio Sound ausprobieren und einrichten. Das nützt dir allerdings nur etwas, wenn du eine App wie Tidal oder 360 by Deezer nutzt, die das unterstützen. Spotify ist leider nicht unter den kompatiblen Apps. Ausserdem kannst du Speak-to-Chat aktivieren/deaktivieren und einige Einstellungen dafür vornehmen. Dann wäre da noch Sonys hauseigener CodeC DSEE Extreme für High Quality Music, den du aktivieren kannst. Allerdings muss auch dein Ausgabegerät DSEE unterstützen, was bei Handys selten der Fall ist und beispielsweise bei Huawei-Smartphones sogar zu Wiedergabeproblemen führen kann. Wer den Codec deaktiviert, sollte aber keine Probleme haben. Mit meinem Samsung Galaxy Z Flip 3 haben die WF-1000XM4 auch mit aktiviertem DSEE funktioniert. (Ansonsten unterstützen die WF-1000XM4 nur SBC und AAC. Auf Qualcomms aptX musst du verzichten).
  • System: Hier kannst du diverse Einstellungen für die Touch-Bedienung und andere Sensorik vornehmen. Selbst die Sprache, mit denen die Kopfhörer mit dir reden, kannst du hier verändern oder die Assistant-Funktion ändern/abschalten. Schade ist bei der Touch-Belegung allerdings, dass man nur aus Voreinstellungen wählen kann. So muss man sich dann beim linken Touch-Feld zwischen «ANC-Modus wechseln», «Wiedergabesteuerung» und «Lautstärkeregelung» entscheiden. Ich hätte aber gerne zwei Optionen davon gleichzeitig genutzt. Einer der Funktionen auf den rechten Kopfhörer legen, kann man aber nicht.
Sony WF-1000XM4 Kopfhörer im Test: In-Ears Nahaufname mit Touch-Feld.
Bild: vybe

Adaptive Geräuschunterdrückung soll das Leben erleichtern

Ein sehr interessantes Feature ist adaptive Geräuschunterdrückung. Man kann den Modus dabei manuell umstellen zwischen:

  • Verweilt
  • Spaziert
  • Läuft
  • Wird befördert

Interessant ist, dass die App sogar eine Lernfunktion hat. Ist diese aktiviert, versucht die App über mehrere Wochen zu verstehen, wo man sich aufhält und passt den ANC-Modus automatisch an. Der Nachteil daran: Du musst das GPS permanent freigeben. Die App weiss also immer, wo du gerade bist. Ebenfalls etwas nervig ist, dass die App im Lernmodus häufiger in den falschen Modus wechselt und dies mit einem akustischen Ton mitteilt. Vor allem, wenn ich jeweils durch die Stadt gelaufen bin, wo sich die Situation immer wieder schnell verändert hat, war die App zu Beginn immer mal wieder überfordert und hat etwas gar oft den Modus gewechselt. Wenn du dann ein Hörbuch hörst, so wie ich das meist tue, sind das nervige Unterbrüche. Allerdings kann man diesen akustischen Ton in den Einstellungen ausschalten, allerdings werden damit auch einige andere, nützliche Signale abgestellt, etwa der Hinweis, wie viel Akku man noch hat, wenn man sich die Kopfhörer einsetzt. Das ist aber nur ein Detail und im Grunde nicht weiter schlimm.

Die Verbindung hält, aber kein Dual Pairing

Der Sound kann noch so gut sein, wenn ein Kopfhörer bei der Verbindung patzt, ist alles dahin. Glücklicherweise hatte ich in diesem Bereich mit den WF-1000XM4 nie Probleme. Nicht ein einziges Mal musste ich auf die Verbindung warten, wenn ich sie frisch aus dem Case genommen habe. Nicht ein einziges Mal riss die Verbindung ab, solange ich mich im Radius von etwa 12 Metern aufgehalten habe. Nicht ein einziges Mal war die Wiedergabe gestört oder der Klang beeinträchtigt. Hier ist auf die Sony-Kopfhörer verlass. Verbunden wird übrigens mit Bluetooth 5.2.

Sony WF-1000XM4 Kopfhörer im Test: In-Ears.
Bild: vybe

Was ich in dieser Preisklasse allerdings vermisst habe, ist ein Dual-Pairing. Es ist nicht so, dass ich das andauernd brauche, allerdings schätze ich es mittlerweile doch sehr. Wenn ich im Büro sitze, bin ich gerne mit meinem Smartphone und dem Desktop verbunden. So spare ich es mir, jedes Mal die Kopfhörer entfernen und neu verbinden zu müssen, wenn ich auf einem der beiden Geräte etwas anhören muss. Warum Sony in dieser Preisklasse auf solch ein Feature verzichtet, ist mir etwas schleierhaft. Bleibt zu hoffen, dass dieses bei den WF-1000XM5 integriert wird.

Akku hält, was er verspricht

Wer die Kopfhörer voll aufgeladen mit ANC nutzt, schafft (nach Laborbedingungen) acht Stunden Musikwiedergabe. Mit dem Case lassen sich die Kopfhörer danach noch zweimal aufladen. Damit ergibt sich also eine Laufzeit von 24 Stunden, was ein guter Wert ist. Im Test haben die Kopfhörer diese Werte mehr oder weniger einhalten können. Es kommt natürlich auch immer etwas darauf an, wie laut man Musik hört und wie oft die Sensorik beansprucht wird.

Geladen sind die Kopfhörer im Case in rund 90 Minuten, das Case selbst muss 3,5 Stunden an die Steckdose. Auch eine Schnellladefunktion hat Sony integriert: Fünf Minuten laden reichen für eine Stunde Musikwiedergabe. Und zu guter Letzt ist natürlich auch kontaktloses Laden integriert. Unterstützt wird der Qi-Standard, womit man die WF-1000XM4 auch mit Smartphones, die Reverse Charging unterstützen, laden kann.

Sony WF-1000XM4: Pro & Kontra

  • Eigenständiges, schönes Design
  • Tolle Schaumstoffaufsätze, die sich in den Gehörgang schmiegen
  • Richtig guter, ausgewogener Sound
  • ANC selbst bei lauter Umgebung top
  • Sehr umfangreiche App, die sehr viele Einstellungsmöglichkeiten bietet
  • Kein Multi-Pairing
  • Bei Touch-Belegung muss man sich zwischen «Lautstärke regeln» und «ANC-Modus auswählen» entscheiden.

Sony WF-1000XM4: Abschliessendes Testfazit

Sony WF-1000XM4 Kopfhörer im Test: Nahaufname Case mit In-Ears.
Bild: vybe

Ich verneige mich vor Sonys Ingenieur*innen. Was sie mit den WF-1000XM4 abgeliefert haben, ist wirklich grossartig. Bezüglich Sound habe ich bisher nur den Sennheiser Momentum True Wireless 2 getestet, der in etwa mithalten kann. Spätestens, wenn es um das Design, ANC und die Einstellungsmöglichkeiten in der App geht, hängen Sonys WF-1000XM4 die Sennheister-Kopfhörer locker ab. Einzig beim Mehrfach-Pairing könnte Sony noch nachbessern. (Und vielleicht auch noch einen etwas eingängigeren Namen 😉). Ja, der Preis ist mit knapp 280 Franken hoch, aber dafür liefert Sony auch Qualität. Daher kann ich abschliessend nur sagen: Wenn du bereit bist, 279 Franken für einen In-Ear-Kopfhörer auszugeben, kann ich dir die Sony WF-1000XM4 nur empfehlen.

Mehr Kopfhörertests:

Sollen deine In-Ear-Kopfhörer nicht mehr als 100 Franken kosten? Dann schau dir unsere Tests zu den Huawei Freebuds 4i (ab 69 Franken) oder den Oppo Enco Free2 (ab 99 Franken) an.

Pascal Scherrer
Ich mag Technik, Filme und Serien. Darum schreibe ich hier darüber. Klingt plausibel, oder?

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