Suunto 9 Baro Titanium im Test – eine waschechte GPS-Multisportuhr

Mit der Suunto 9 Baro Titanium hat der finnische Hersteller vor wenigen Wochen eine neue GPS-Multisportuhr auf den Markt gebracht. Ganz neu ist die Suunto 9 Baro Titanium indes nicht. Vielmehr basiert sie auf der inzwischen fast drei Jahre alten Suunto 9 Baro.

Bei der neuen Variante setzt Suunto auf eine hochwertige Titanium-Lünette. Titanium ist ein extrem widerstandsfähiges und zugleich sehr leichtes Material. Kurzum: Ein perfektes Material für eine GPS-Multisportuhr, die auch etwas aushält.

Die Suunto 9 Baro Titanium hat mich in den letzten Wochen im Alltag und bei meinen Trainings (Laufen und Radfahren) begleitet. Ob mich die Premium-Smartwatch (aktueller Preis um die 670 Franken) auch überzeugen konnte, verrate ich dir in unserem ausführlichen Testbericht.

Für diesen Test haben wir das Modell in Granite Blue Titanium erhalten. Alternativ bietet Suunto die Titanium-Version auch in Schwarz und in einer limitierten Red Bull X-Alps Edition an.

Wuchtiges Erscheinungsbild, hervorragende Verarbeitung

Wer lieber etwas dezentere Uhren bevorzugt, der ist bei der Suunto 9 Baro Titanium mit einem Durchmesser von 50 Millimetern und einer Dicke von 16,5 Millimetern definitiv an der falschen Adresse. Die Uhr hat ein (sehr) wuchtiges und klobiges Erscheinungsbild, so wie wir das halt von Suunto gewohnt sind.

Wer auf der Suche nach einer etwas kompakteren Uhr ist, der sollte sich entweder die ganz neue Suunto 9 Peak oder bei der Konkurrenz beispielsweise die Polar Vantage V2 näher anschauen. Die Suunto 9 Peak ist im Vergleich zur hier getesteten Multisportuhr immerhin 37 Prozent dünner und 36 Prozent leichter.

Suunto 9 Baro Titanium im Vergleich mit der Polar Vantage V2
Links: Polar Vantage V2 / Rechts: Suunto 9 Baro Titanium | Bild: vybe

Das Design der Suunto 9 Baro Titanium gefällt mir sehr gut. Es kommt ohne grossen Schnick-schnack daher und sieht so trotz dem wuchtigen und klobigen Erscheinungsbild eher schlicht am Handgelenk aus. Bedient wird sie entweder via Touchscreen oder über die drei physischen Tasten auf der Rechtenseite.

Suunto 9 Baro Titanium mit drei physischen Tasten
Bild: vybe

Das transflektive Display mit „Plattfuss“ löst mit 320 x 300 Pixeln auf und wird durch Saphirglas geschützt. Das Display kann auch bequem mit dem Finger bedient werden. Allerdings wird die „Touch“-Funktion erst aktiviert, wenn eine der seitlichen Tasten gedrückt wird. Das Touchscreen reagiert flott auf Eingaben.

Schmerzlich vermisst habe ich eine automatische und per Gesten zu aktivierende Hintergrundbeleuchtung. Tatsächlich muss die LED-Hintergrundbeleuchtung manuell aktiviert werden. Hier merkt man, dass die Suunto 9 Baro Titanium auf einer dreijährigen Uhr basiert. In der heutigen Zeit gehören solche Dinge eigentlich zum guten „Umgangston“ einer Multisportuhr dazu.

Das Zifferblatt der Suunto 9 Baro Titanium kann übrigens angepasst werden. Es gibt neun vordefinierte Zifferblätter, welche wiederum mit verschiedenen Farben angepasst werden können. Zusätzliche Zifferblätter lassen sich nicht auf die Multisportuhr übertragen.

Auf der Unterseite der Suunto 9 Baro Titanium finden wir den optischen Herzfrequenzsensor und vier Lade-Pins vor. Geladen wir über den mitgelieferten Ladeadapter, welcher sich magnetisch an der Uhr andockt. Vorsicht: Der Ladeadapter muss ganz genau positioniert werden, ansonsten wird die Uhr nicht geladen.

Sensoren an der Unterseite
Bild: vybe

Das bis zu 100 Meter wasserdichte Gehäuse ist aus glasfaserverstärktem Polyamid (Kunststoff) gefertigt, während die Lünette aus Titan hergestellt wird. Insgesamt überzeugt die Suunto 9 Baro Titanium mit einer hervorragenden Verarbeitung. Das Armband aus Nylon-Textil ist zunächst etwas steif, das legt sich aber nach ein paar Tagen.

Anfällig auf Kratzer ist die Uhr jedenfalls nicht. Ich habe sie in den letzten Wochen nicht unbedingt zimperlich behandelt. So kam sie nicht nur bei Workouts zum Einsatz, sondern auch bei der Gartenarbeit. Und ja, auch nach mehreren Wochen intensiver Nutzung, hat die Uhr keinerlei Kratzer davongetragen.

Inbetriebnahme der Suunto 9 Baro Titanium

Die Suunto 9 Baro Titanium lässt sich spielendeinfach einrichten. Beim ersten Start die Sprache auswählen und ein paar weitere Daten hinterlegen und schon ist die Uhr einsatzbereit. Es ist nicht einmal zwingend eine Kopplung mit dem Smartphone notwendig, wobei diese im Endeffekt zu empfehlen ist.

Denn nur über die Suunto-App, welche für Android und iOS verfügbar ist, bekommt man den gesamten Überblick über alle Aktivitäten und Workouts. Eine Weboberfläche, wie es beispielsweise bei Polar oder Garmin gibt, ist bei Suunto nicht (mehr) vorhanden.

Die Uhr lässt sich via Bluetooth mit dem Smartphone verbinden. Anschliessend landen auf Wunsch alle Benachrichtigungen auf dem Smartphone. Über eingehende Benachrichtigungen informiert die Uhr wahlweise mit einer leichten Vibration und/oder mit einem Signalton. Über die Suunto-App kann bestimmt werden, von welchen Apps Benachrichtigungen angezeigt werden.

So sehen Benachrichtigungen auf der Uhr aus - einfach
Bild: vybe

Die Darstellung der Benachrichtigungen auf der Uhr sind eher einfach gehalten und können nicht direkt gelöscht werden. Das geschieht wiederum über das Smartphone. Auch werden keine Emojis unterstützt. Anstelle der Emojis sieht man dann einfach nur ein paar Punkte – mehr nicht. Direkt darauf antworten, funktioniert zudem ebenfalls nicht.

Anrufe können übrigens direkt auf der Uhr angenommen (oder abgelehnt) werden, das Smartphone ist aber dennoch notwendig. Die Suunto 9 Baro Titanium verfügt über kein integriertes Mikrofon, so dass keine Anrufe direkt über die darüber geführt werden können.

Aktivitäten mit der Suunto 9 Baro Titanium

Zu den „Basics“ einer Multisportuhr gehört das Tracking der täglichen Aktivitäten. Damit meine ich nicht die individuellen Workouts, wie Laufen, Radfahren, Schwimmen & Co, dazu komme ich beim nächsten Abschnitt. Mit den täglichen Aktivitäten meine ich vielmehr Dinge wie die Anzahl Schritte, die durchschnittliche Herzfrequenz und den Kalorienverbrauch.

Natürlich beherrscht auch die Premium-Smartwatch von Suunto diese Dinge. Die Daten können entweder direkt auf der Uhr oder übersichtlich in der Suunto-App eingesehen werden. Wer möchte, kann sich zudem auch noch individuelle Aktivitätsziele in Bezug auf die Schritte und den Kalorienverbrauch festlegen.

Die Suunto 9 Baro Titanium zählt die Schritte recht zuverlässig, wobei die Anzahl im Vergleich zu anderen Uhren tendenziell etwas zu hoch liegt. Vermutlich reagiert die Uhr etwas zu sensibel auf Bewegungen und zählt diese als Schritte mit. Das sieht zwar am Ende des Tages gut aus, widerspiegelt halt aber nicht die Realität.

Trainings mit der Suunto 9 Baro Titanium

Es ist zweifelsohne die Königsdisziplin der Suunto 9 Baro Titanium. Mehr als 80 verschiedene Trainingsmodi unterstützt sie, darunter mehrere spezifische Modi fürs Laufen und Radfahren. Suunto scheut sich auch nicht vor weniger populären Sportarten, wie beispielsweise Bowling oder Softball. Sollte deine Sportart effektiv nicht unter den 80 dabei sein, gibt es ein allgemeiner Modi für alle anderen Sportarten.

Über die Suunto-App auf dem Smartphone lassen sich Aktivitäten und Trainings bequem mit anderen Plattformen wie Strava oder Komoot synchronisieren. Du kannst deine Erfolge auch ganz bequem exportieren. Du kannst sie problemlos als GPX-Datei (GPX-Workout/GPX-Route) oder FIT-Datei abspeichern.

Bevor du ein Training auf deiner Uhr startest, kannst du über die Optionen noch diverse Einstellungen vornehmen. Sie Unterscheiden sich je nach Trainingsmodi. Bei Lauf- und Radtrainings kannst du da beispielsweise Intervalle definieren, deren Häufigkeit selbst bestimmt werden kann, oder ein Ziel (Dauer/Distanz) hinterlegen. Das klappt einwandfrei.

Ebenfalls lässt sich bei den Optionen vor einem Training die Aktualisierungsrate des GPS-Signals bestimmen. Das geschieht über den Batteriemodus. Planst du mit deiner Smartwatch eine lange Tour, dann kannst du über den Modus „Tour“ die längste Laufzeit erreichen. In diesem Modus wird das GPS-Signal dafür aber viel weniger oft aktualisiert, so dass die Positionierung nicht ganz so genau ist.

Turn-by-Turn-Navigation ist mit an Bord
Turn-by-Turn-Navigation ist mit an Bord | Bild: vybe

Via Komoot erstellte Routen lassen sich ebenfalls über die Optionen auswählen. Seit dem letzten Update unterstützt die Uhr jetzt auch eine Turn-by-Turn-Navigation. Die funktioniert einwandfrei und signalisiert per Vibration und Signalton frühzeitig, in welche Richtung du dich begeben musst.

Während eines Trainings zeigt die Uhr alle wesentlichen Informationen an. Neben der zurückgelegten Strecke, erfahren wir darüber die abgelaufene Zeit, die Herzfrequenz und das durchschnittliche Tempo sowie die Herzfrequenz (unterteilt in mehrere Zonen). Auf den weiteren Seite, die bequem über die mittlere Taste erreicht werden, zeigt die Uhr weitere Informationen an, darunter die durchschnittlichen Zeiten pro Kilometer, oder der Verlauf der Herzfrequenz.

All diese Angaben sind dank des transflektiven Displays problemlos auch bei direkter Sonneinstrahlung ablesbar.

Wie gut ist das GPS-Signal?

Die Positionsbestimmung geschieht bei der Suunto 9 Baro Titanium über GPS, Glonass, Galileo, QZSS und Beidou. Es werden jeweils zwei Positionierungssysteme parallel genutzt, wobei GPS immer gesetzt ist. Damit ist die Uhr in dieser Hinsicht sehr gut aufgestellt. Suunto hat zusätzlich einen Barometer integriert. Über den barometrischen Druck kann die Höhe noch genauer ermittelt werden.

Ich habe die GPS-Multisportuhr in den letzten Wochen beim Laufen und Radfahren verwendet – trotz des schlechten Wetters, versteht sich. Dabei hat sich herausgestellt, dass die Genauigkeit der Aufzeichnung (ohne Batteriesparmodus) insgesamt in Ordnung ist. Bei meinen Radtouren gab es nur wenige Abweichungen, die absolut im tolerierbaren Bereich lagen. Etwas mehr Mühe bekundete die Suunto 9 Baro Titanium bei meinen Lauftrainings.

Anhand der teilweise ziemlich auseinandergehenden Linien ist gut zu erkennen, dass die Uhr hin und wieder die „Orientierung“ bzw. das GPS-Signal verloren hat. Beunruhigend sind diese Aussetzer indes nicht, da ich mich bewusst für eine Laufroute im Wald entschieden habe. Wald = hohe Bäume und damit hat (leider) jede GPS-Multisportuhr zu kämpfen. In Anbetracht dessen, geht die Aufzeichnung der Suunto-Smartwatch noch absolut in Ordnung.

Herzfrequenzsensor mit Problemen

Etwas erstaunt war ich über den optischen Herzfrequenzsensor. Dieser lieferte mir teilweise ziemlich ungenaue Messwerte. Für den Vergleich habe ich zusätzlich einen Brustgurt von Polar genutzt. Die Unterschiede sind doch ziemlich frappant: Die Pulswerte waren teilweise 20-30 bpm höher bei der Uhr, obwohl diese sehr eng am Handgelenk angebracht war.

Das Problem der zu hohen Pulswerte ist mir nicht nur bei den Trainings aufgefallen. Auch wenn ich nur am Bürotisch sitze, zeigt mir die Uhr tendenziell einen zu hohen Wert (ca. 5-10 bpm höher) an. Das kann entweder an einem (kleineren) Software-Problem oder aber auch am zu ungenauen Sensor liegen. So oder so: Wer mehr oder weniger genaue Pulswerte bei seinen Workouts haben möchte, sollte meiner Meinung nach wie vor zu einem Brustgurt greifen.

Zusammenfassung des Trainings und Darstellung in der App

Nach einem Training fragt die Uhr nach dem aktuellen Gefühlszustand und zeigt auch gleich eine Übersicht der Leistung an. Diese Daten werden anschliessend via Bluetooth mit der Suunto-App synchronisiert. Dort wiederum erhalten wir alle Trainingsdaten in diversen Diagrammen dargestellt. Des Weiteren berechnet die App die Belastungsart und die ungefähre Dauer der Regenerationszeit.

Insgesamt sind die gelieferten Daten sehr detailliert, so dass man sich zumindest aus Hobbysportler ein gutes Bild über die Leistung und des aktuellen Fitnesszustands machen kann.

Akku: Reicht völlig aus

Die Akkulaufzeit ist gut. Ich komme mit einer Akkuladung ziemlich genau eine Woche aus. In dieser Zeit erhalte ich alle Benachrichtigungen vom Smartphone angezeigt, habe die kontinuierliche Pulsmessung aktiv und habe 2 Lauftrainings mit GPS à 45 Minuten hinter mich gebracht.

Laut Suunto erreicht die GPS-Multisportuhr in Trainingsmodus zwischen 25 und 170 Stunden – je nach Batteriemodus. Wird die Uhr ausschliesslich im Zeitmodus verwendet, sollen sogar bis zu 14 Tage Laufzeit möglich sein. Ein realistischer Wert.

Etwas Zeit lässt sich die Uhr beim Laden. Weit über zwei Stunden dauert ein Ladevorgang, wenn die Uhr noch 10 Prozent Restakku hat.

Die Suunto 9 Baro Titanium
Bild: vybe

Suunto 9 Baro Titanium: Die Stärken und Schwächen

  • hervorragende Verarbeitung
  • gut ablesbares Display
  • sehr viele Sportmodi
  • Turn-by-Turn-Navigation
  • Barometer und Kompass integriert
  • akkurates GPS
  • gute Akkulaufzeit
  • keine automatische Hintergrundbeleuchtung
  • ungenauer Herzfrequenzsensor
  • keine Blutsauerstoffmessung (SpO2)
  • keine Musiksteuerung möglich, kein interner Speicher für Musik
Verpackung Suunto 9 Baro Titanium
Die Verpackung der Suunto 9 Baro Titanium

Suunto 9 Baro Titanium: Das Fazit

Mit der Suunto 9 Baro Titanium hat der finnische Hersteller eine waschechte GPS-Multisportuhr mit einer hochwertigen Verarbeitung abgeliefert. Ambitionierte Sportler kommen bei dieser Smartwatch mit weit über 80 unterschiedliche Sportmodi, einem 100 Meter wasserdichten und sehr robusten Gehäuse mit Titan-Lünette, Barometer, digitalen Kompass sowie einer gelungenen App mit detaillierten Angaben nicht zu kurz.

Die Suunto 9 Baro Titanium richtet sich zweifelsohne an Sportler, umso mehr hat es mich überrascht, dass ausgerechnet der Herzfrequenzsensor Schwächen aufzeigte. Dieser spuckte im Test immer wieder zu hohe Werte aus. Bleibt zu hoffen, dass der finnische Hersteller in puncto Herzfrequenzmessung in den nächsten Wochen mittels Software-Update nachbessern wird/kann.

Auf Dinge wie ein schmuckes AMOLED-Display, einer Musiksteuerung und weiteren „smarten“ Funktionen, muss man bei der Suunto 9 Baro Titanium verzichten. Wer darauf Wert legt, der sollte sich unbedingt die Suunto 7 (Titanium) näher anschauen. Sie wird mit WearOS betrieben und kann somit mit vielen Apps erweitert werden. Dafür ist die Akkulaufzeit deutlich schlechter.

Bruno Rivas
Hier sollte etwas Spannendes stehen. Wird es auch - irgendwann.

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