Apple TV+

Warum Apple meinen Serienkonsum zum Positiven verändert hat

Als Apple TV+ 2019 an den Start ging, war meine Meinung klar: noch ein Streaming-Dienst? Braucht niemand. Trotzdem war ich natürlich neugierig, was Apple für ein Angebot haben würde. Die Ernüchterung kam schnell: Die Auswahl bestand ausschliesslich aus Eigenproduktionen und war überschaubar. Sehr überschaubar. Ohne nachzuschauen, würde ich sagen, es waren vermutlich nicht mehr als zwei Dutzend Titel in der Bibliothek.

Nun, vier Jahre später, muss ich sagen: Genau diese kleine Auswahl sehe ich mittlerweile als Stärke von Apple TV+. Ja, Netflix hat vor bald zwei Jahrzehnten die Art und Weise, wie wir Serien konsumieren, verändert. Wir haben angefangen, ganze Staffeln am Stück zu schauen, einfach, weil wir es konnten. Binge-Watching etablierte sich als Begriff, die Zeiten, als man auf eine neue Folge eine Woche warten musste, waren vorbei.

Zurück zu den Wurzeln

Bis 2019 änderte sich nichts daran. Und dann kam Apple TV+ und hat gemacht, was Apple am besten kann: Sein eigenes Ding durchziehen. Die ganze Staffel auf einmal online stellen? Nicht bei Apple. Stattdessen gab es von jeder Serie die ersten drei Episoden. Genug, um einem anzufixen. Danach musste man schön brav sieben Tage warten, bis jeweils eine neue Folge freigeschaltet wurde. Wie in den alten Zeiten, als lineares Fernsehen noch Bedeutung hatte.

Auch hier war Apple wieder ein Vorreiter: Disney, die ein halbes Jahr später ihren Dienst Disney+ starteten, gingen einen ähnlichen Weg. Mittlerweile ist diese Praxis bei fast allen Streaming-Diensten Standard. Sky, Paramount+, Prime Video, sie alle veröffentlichen ihre Flaggschiffserien im Wochentakt. Einzig Netflix bleibt seiner alten Strategie treu und stellt noch immer ganze Staffeln online.

Ist Binge-Watching wirklich so gut?

Anfangs war ich gar kein Fan davon. Apple hatte eine Praktik wiedereingeführt, die mir als Zuschauer die Freiheit nahm, zu bestimmen, wann und wie viel ich schauen wollte. Zumal mit dem neuen Veröffentlichungsrhythmus auch eine zweite alte Praktik wieder Einzug hielt: fiese Cliffhanger. Damit hat Apple praktisch im Alleingang das rückgängig gemacht, was Netflix zuvor mühsam etabliert hatte.

Doch mein anfängliches Ärgernis wandelte sich bald zu Akzeptanz und ist mittlerweile sogar zu Wohlwollen geworden. Weshalb? Weil mir wieder bewusst geworden ist, welche Nachteile Binge-Watching hat. Serienmarathons befriedigen zwar unser Bedürfnis, weiterzuschauen, unmittelbar, machen Serien aber auch zur Konsumware. Wir schauen eine Staffel «Stranger Things» und wenn sie vorbei ist, widmen wir uns der nächsten Serie.

Früher hatte uns eine Serie über Wochen oder gar Monate begleitet, sich in unsere alltäglichen Gespräche geschlichen und sich so fest im gesellschaftlichen Kollektiv verankert. Heutzutage? Zwei Tage, höchstens eine Woche ist der neueste Netflix-Hit das Gesprächsthema, danach ist der Hype vorbei, denn die nächste Serie steht bereits an.

Das ist stressig. Kommt eine neue Staffel raus, muss man diese am Stück schauen. Denn seien wir mal ehrlich: Die wenigsten von uns können sich eine Serie einteilen und beispielsweise jeden Tag eine Episode schauen. Fängt man an, wird das Ding durchgeschaut, egal, ob’s dann halt bis nachts um 2:00 Uhr dauert.

Die gute alte Vorfreude macht’s aus

Bei Serien von Apple ist das anders. Ich bin gezwungen, zu pausieren. Das nervt zwar manchmal noch immer, aber hat auch schöne Seiten. Zum einen wäre da die Vorfreude auf die neue Folge. Und ja: Vorfreude ist noch immer die schönste Freude. Zum anderen hat man aber keinen Druck, eine Staffel möglichst schnell zu schauen. Um mitreden zu können oder Spoilern zu entgehen.

Etwas vom Schönsten, das ich komplett vergessen habe, ist aber, dass wieder neue Traditionen entstehen. Als ich etwa die zweite Staffel von «After Party» (sehr zu empfehlen übrigens) geschaut habe, habe ich genau gewusst: Mittwochabend nach der Arbeit schaue ich mir die neue Folge an. Zusammen mit meiner Freundin aufs Sofa gekuschelt. So konnten meine Freundin und ich uns zwei Monate lang jede Woche auf den Mittwochabend freuen.

Hinzu kommt auch noch, dass wir nach jeder Folge gerätselt haben, wie es wohl weitergeht. Wir haben uns also auch viel intensiver mit der Folge und damit der Serie auseinandergesetzt. Am Ende macht das viel mehr Spass, als einfach jede Staffel am Stück durchzuschauen.

Und falls du «After Party» wirklich nicht kennst, schau dir hier den Trailer zur 1. Staffel an:

Pascal Scherrer

Ich mag Technik, Filme und Serien. Darum schreibe ich hier darüber. Klingt plausibel, oder?

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